Solange die Zentralbanken die Märkte mit Geld fluten, kosten neue Staatsschulden die großen Nationen praktisch nichts mehr. Für Regierungen ist das bequem: "Durch das Konzept der indirekten Finanzhilfe via Anleihenkauf kann ein Land nie mehr in eine finanzielle Notlage geraten, da jederzeit in beliebiger Höhe neu gedrucktes Geld ohne Zinslast zur Verfügung steht", sagt Vermögensprofi Gottfried Urban.

Als Folge steigen die Preise auf begrenzte Vermögenswerte wie etwa Immobilien weiter. Sachwert-Besitzer und Aktionäre werden reicher. Konteninhaber und Zinssparer werden relativ ärmer. "Das negative Ergebnis beim Zinssparer wird politisch eingerechnet", sagt Urban. Die schleichende Enteignung des Sparers habe sich in diesem Jahr nochmals beschleunigt. Der Vermögensprofi sieht somit Handlungsbedarf für die Langfristrücklagen auf Bankkonten und Zinsanlagen.

Verlängerung der Altschulden
Dabei gibt es mehrere Wege, um die Schulden wieder in den Griff zu bekommen. Sparprogramme sind nach großen Krisen zwar keine Option, und auch eine Vermögenssteuer für Reiche wird bei den aktuellen Summen laut Urban nichts bringen. Der Vermögensprofi schlägt aber einen eleganteren Weg vor: "Nachdem die Notenbanken in ein paar Jahren vielleicht nahezu alle Staatsschulden halten, könnte man sich auf eine Verlängerung der Altschulden im Notenbankbestand auf 50 bis 100 Jahre einigen", sagt Urban. Somit wäre eine Schuldentilgung über Generationen kein belastendes Thema mehr, und man würde sich von künftigen Veränderungen in der Notenbankpolitik unabhängig machen. (fp)