Wer am Kapitalmarkt aktiv ist, muss manche psychologische Barriere überwinden. Denn die ständigen Kursveränderungen von Aktien und anderen Wertpapieren verleiteten schnell dazu, allzu enttäuscht zu sein und Assets voreilig zu verkaufen, sagt Rui Soares von der Frankfurt Asset Management AG. Besonders der Blick auf den bisherigen Höchstkurs der eigenen Aktien im Depot könne frustrieren. Dabei machen es sich viele Renditesucher unnötig schwer, denn die meisten Anteilscheine lägen bei Betrachtung des Höchstkurses historisch gesehen fast immer im Minus.

Laut Soares könne die menschliche Psyche nicht gut mit finanzieller Volatilität umgehen. Der Anlageprofi rät Anlegern deshalb, Strategien und Prinzipien zu entwickeln, "durch die sich hektische Verkäufe, häufige Positionswechsel, teures Herdenverhalten und im schlimmsten Fall sogar die völlige Missachtung von Aktien und anderen risikobehafteten Assetklassen so gut es geht verhindern lassen." Rückläufige Aktienkurse etwa seien eine günstige Gelegenheit für Aktienkäufe.

Wer mit dem Schicksal hadert, verliert
Durch ihr Reue-Verhalten investierten allerdings viele Anleger prozyklisch, sagt Soares – sie kaufen also in Aufwärtsphasen und verkaufen bei rückläufigen Kursen. Auch verstelle die Angst vor Verlusten oder die Sorge, einmal getroffene Entscheidungen später zu bedauern – in der Behavioral-Finance-Lehre als "Regretaversion" bezeichnet, "den klaren Blick auf die Faktoren, die bei der Auswahl von Wertpapieren und der Zusammenstellung ausgewogener Depots tatsächlich wichtig sind." (fp)