Wer Uwe Zimmers Blog zinvest.eu liest, konnte bereits vor Monaten ahnen, dass der Geschäftsführer von Fundamental Capital früher oder später ins Robo-Beratungsgeschäft einsteigen würde. "Algorithmen und Roboter sind die Zukunft der Geldanlage", ließ Zimmer seine Leser Ende August wissen, nicht ohne das zu relativieren: Es sei durchaus richtig, dass die Branche digitale Entwicklungen vorantreibe, einen Punkt aber würden viele in ihrer Betrachtung vergessen: "Robos, auch wenn sie lernen und sich weiterentwickeln, denken oft in eine Richtung, gehen Probleme mit den gleichen Werkzeugen an und kommen auf lange Sicht wahrscheinlich auch zu den gleichen Ergebnissen", so Zimmer weiter. "Eine von Robos verantwortete Asset Allokation wäre wahrscheinlich austauschbar."

Das war wohl einer der wesentlichen Gründe, weshalb Zimmer einen eigenen Weg ins automatisierte Anlagegeschäft gesucht hat, indem er Anfang November mit dem ersten ausschließlich auf Einzelaktien basierenden Robo-Advisor an den Markt ging (FONDS professionell ONLINE berichtete) und dazu erklärte: "ETF-Robos gibt es wie Sand am Meer – technologiegetriebenes, aktives Value-Investieren dagegen ist ein echter sogenannter Unique Selling Point, der es Privatanlegern erlaubt, von überdurchschnittlich hoher Rendite zu profitieren." Die Redaktion wollte mehr zu dem neuen Angebot wissen.  

Herr Zimmer, im Markt gibt es unzählige Vermögensverwalter, traditionelle wie digitale. Inwieweit unterscheidet sich Fundamental Capital von anderen? Welchen Mehrwert bieten Sie?

Uwe Zimmer: Fundamental Capital ist die erste digitale Vermögensverwaltung, die aktive Hedgefonds-Technologien für Privatanleger zugänglich macht. Durch quantitative Modelle und selbstlernende Algorithmen ermöglicht Fundamental den einfachsten und intelligentesten Zugang zu den besten Unternehmen der Welt.

Warum klammern Sie Anleihen und Rohstoffe in ihrem Portfolio aus?

Zimmer: Mit Anleihen ist kein Geld mehr zu verdienen. Rohstoffe sind zu spekulativ und unterliegen oft politischen Einflüssen oder dem von Hedgefonds. Wir wollen uns zunächst auf Aktienportfolios konzentrieren. Im Bereich Rohstoffe könnte aus Gründen der Absicherung maximal Gold hinzukommen.

Stichwort Backtesting: Wie schneidet der Algorithmus auf lange Sicht ab? Wie reagiert er in anderen Marktphasen?

Zimmer: Unsere Ergebnisse der Backtests zeigen über die letzten zwölf Jahre je nach Marktkapitalisierung des entsprechenden Unternehmens Jahresrenditen zwischen zehn und 20 Prozent. Und in diesen Berechnungen ist die Krise von 2007 / 2008 bereits mit berücksichtigt.

Wie vermeiden Sie, dass sich Fehler in Ihren Algorithmus schleichen; wie funktioniert das Rebalancing?

Zimmer: Die Funktionalität des Algorithmus wird einerseits durch technisch implementierte Plausibilitätsprüfungen überwacht. Darüber hinaus werden diese Ergebnisse nochmals durch das Portfoliomanagement geprüft und erst im Anschluss zu dieser Prüfung freigegeben. Das Rebalancing funktioniert bei uns nach dem Prinzip "Gewinne laufen lassen, Verluste reduzieren". Wir haben eine feste Obergrenze für einen Titel im Portfolio, die bei 20 Prozent liegt und können diesen Titeln so bei starken Kurszuwächsen den entsprechenden Raum zum Wachstum geben, ohne direkt in die Allokation eingreifen zu müssen. Verluste werden durch konsequente Stop-Loss-Marken begrenzt.

Was ist das größte Risiko für Ihre Anleger und was können Sie dagegen tun?

Zimmer: Das Risiko ist, so viel zu verlieren wie der Markt oder mehr. Wir beobachten den Markt permanent und setzen aktiv Short-ETFs zur Absicherung ein, wenn unsere Systeme die entsprechenden Warnsignale geben. Das größte Risiko ist eine zeitlich begrenzte Drawdownphase, die in einer starken Korrektur jedoch alle Anleger trifft. Durch unsere aktiven Risikostrategien sind wir in der Lage, diese Kursverluste im Vergleich zum Gesamtmarkt zu reduzieren. Das erreichen wir durch eine Anpassung der Shortquoten oder durch die Anpassung der Investitionsquote allgemein.

Wie stehen Sie zu den Überlegungen einer möglichen Pflicht für die Robo-Advisor, ihre Algorithmen offen zu legen?

Zimmer: Da gerade diese Systeme den sogenannten Unique Selling Point eines Unternehmens ausmachen, würden wir das natürlich nicht gut finden.

Wie ist Fundamental Capitral reguliert und was sind ihre nächsten Schritte beziehungsweise Wachstumsziele?

Zimmer: Unser Unternehmen verfügt über eine Zulassung nach Paragraph 32 KWG und damit über die Erlaubnis zur Finanzportfolioverwaltung. Was die verwalteten Assets angeht, so erwarten wir, dass diese bis zum Jahresende auf einen zweistelligen Millionenbetrag anwachsen werden. Bis zum Ende des kommenden Jahres sollten wir das verwaltete Volumen auf 50 Millionen Euro steigern können.

Gibt es sonstige Zukunftspläne?

Zimmer: Wir haben keine unumstößlichen Ziele in dem Sinne, aber wir möchten natürlich schon eine Reihe neuer Investoren an Bord holen. Und eine Expansion in andere Länder soll auch kein allzu weit in der Zukunft liegendes Ziel bleiben.

Wir danken für das Gespräch. (hh)