Investoren handeln in diesen Tagen so, als sei mit dem Ende des Lockdowns in vielen Ländern auch die Corona-Krise beendet. Nach dem panischen Totalausverkauf über alle Anlageklassen im März dieses Jahres scheint der Herdentrieb nun in die andere Richtung zu gehen. Das liegt auch daran, dass viele Privatanleger sowie institutionelle Investoren die "Sorge haben, den Wiedereinstieg zu verpassen", sagt Ralph Rickassel von der PMP Vermögensmanagement.

Dabei will der Optimismus an den Kapitalmärkten so gar nicht zur aktuellen Lage der Weltwirtschafft passen. Rickassel hält das für höchst bedenklich. "Die fundamentalen Daten der Wirtschaft sehen furchtbar aus und rechtfertigen nicht wirklich die positive Stimmung und die Kurse", erklärt der Experte.

Mehr abwägen, weniger der Herde folgen
Eine ähnlich trügerische Euphorie war in der Vergangenheit bei den großen Crashs von 1929 oder dem Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende zu beobachten. Der frühe Optimismus wurde in beiden Fällen durch einen erneuten Einbruch der Märkte bestraft. Investoren sollten sich daher bewusst sein, dass die Krise noch lange nicht ausgestanden ist, und es durchaus noch einmal turbulent werden kann. Auf jeden Fall sollten sie bei der Auswahl der Titel mehr "abwägen und weniger der Herde folgen", sagt Anlageprofi Rickassel. (fp)