Auch wenn der Handelskrieg zwischen China und den USA die Stimmung verdüstert, sollten Asien-Investoren sich davon nicht zu sehr beeindrucken lassen, sagt Harald Staudinger, Geschäftsführer der auf Asien spezialisierten Investmentgesellschaft Aspoma Asset Management aus Linz.

"Es ist wichtig, die fundamentalen Fakten zu beachten", betont er. Die gesamten chinesischen Nettoexporte in die USA haben ein Volumen von circa 300 Milliarden US-Dollar und stehen einer Gesamt-Volkswirtschaftsleistung von 14 Billionen US-Dollar im laufenden Jahr gegenüber. "Es sind also nur etwas mehr als zwei Prozent, über die Trump hier einen direkten Einfluss ausüben kann", so Staudinger.

"Marktreaktion nicht gerechtfertigt"
Seit Jahresbeginn ging es am chinesischen Aktienmarkt um 14 Prozent abwärts. Das lag hauptsächlich am Handelskonflikt zwischen China und den USA, zusätzlich belasten die straffere Geldpolitik der US-Notenbank Fed und der Zinsanstieg in den Vereinigten Staaten die Schwellenländer. Zudem hat sich Chinas Wachstum in den ersten Quartalen des Jahres leicht abgeschwächt. "Aus fundamentaler Sicht ist diese starke Marktreaktion jedoch nicht gerechtfertigt", betont Staudinger.

Zwar könnte das Verhalten der USA im Handelskonflikt den Markt in der Volksrepublik kurzfristig weiter verunsichern. China sei derzeit im Vergleich zu anderen Märkten allerdings tief bewertet – und der Handelskonflikt habe nur marginale Auswirkungen auf das Land, so der Vermögensverwalter. Das liege auch daran, dass die chinesische Regierung proaktiv auf die negativen Auswirkungen des Konflikts reagiere. Staudinger erwartet, dass Chinas Aktienmarkt über kurz oder lang wieder auf ein durch die Fundamentaldaten gerechtfertigtes Niveau zurückfindet. Für Investoren gelte also: Ruhig bleiben – und abwarten. (fp)