Um den sich rasant ausbreitenden Strafzinsen zu entgehen oder sogar noch positive Zinsen einzustreichen, legen Privatanleger und Kommunen ihr Geld immer wieder auf Konten von Banken außerhalb Deutschlands an. Im Fall der Bremer Greensill-Bank, die zu einem australischen Firmenkonglomerat gehört, hatte das für deren Kunden böse Folgen. Die Bank war von der Bundesfinanzaufsicht Bafin Anfang März geschlossen worden, weil eine Überschuldung drohte. Während private Sparer damit rechnen können, ihr Geld zurückzubekommen, profitieren Kommunen, die ihr Geld dort geparkt haben, nicht von den Entschädigungen. "Als institutionelle Anleger sind sie ausgenommen. Wie planlos offensichtlich manche Kommune mit den Steuergeldern ihrer Bürger umgeht, ist ein anderes Thema", sagt Marc-Oliver Lux von der Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner in München.

Vor allem Verbraucher sollten genauer hinschauen, wo sie ihr Geld anlegen. "Der Greensill-Fall ist dafür mal wieder ein Warnschuss", sagt der Anlageprofi. Konsumentenschützer würden zurecht darauf pochen, dass Sparer ihr Geld nicht einfach via Plattformen über die ganze Welt verteilen. Gemeint sind Online-Zinsvermittler wie Weltsparen oder Zinspilot, die Renditesuchern Zugang zu Banken verschaffen, die nicht am deutschen Markt mit einer Filiale aktiv sind. Das Problem: Wenn bei einer Pleite der Einlagensicherungsfonds leer ist, müsste der betroffene Staat mit Steuermitteln deutsche Sparer entschädigen. "Dass Sparer versuchen, Strafzinsen auszuweichen, ist verständlich. Dass sie sich über wildes Zinshüpfen für ein paar Euro mehr womöglich schlaflose Nächte einhandeln, weniger", sagt Lux.
 
Unnötiges Risiko
Das Risiko rechnet sich laut dem Anlageprofi einfach nicht: "Festgeld von 5.000 Euro über ein Jahr bringt bei einer Bank in Bulgarien oder Rumänien gerade mal rund 17 Euro mehr ein als im Inland." Es ergebe daher in der Regel wenig Sinn, Aufschlägen und Minizinssätzen hinterher zu hecheln. Lux klare Aufforderung an die Verbraucher: "Lassen Sie es einfach!" (fp)