Die Deutschen hängen an Scheinen und Münzen. Doch seit einigen Wochen heißt es plötzlich in vielen Geschäften: "Zahlen Sie bitte mit Karte!" Die Pandemie wird die Nutzung von kontaktlosen Bezahlverfahren, Giro- und Kreditkarten sowie von Smartphone-Zahlverfahren beschleunigen, ist Markus Richert, Seniorberater bei Portfolio Concept Vermögensmanagement in Köln, überzeugt. Berechnungen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2025 nur noch 20 Prozent aller Zahlungen nach Umsatz mit Cash beglichen werden.

Hinzu kommt: Immer mehr Zentralbanker und Ökonomen positionieren sich gegen das Bargeld. Zum einen sind Scheine und Münzen der Inflation schutzlos ausgeliefert. Viele Volkswirte befürchten, dass die weltweit expansive Geld- und Fiskalpolitik über kurz oder lang die Preise in die Höhe treiben wird, und der Wert des Bargelds "so schnell schmelzen könnte, wie der Schnee in der Sonne", sagt der Vermögensprofi.

Bargeld blockiert Negativzinsen
Zum anderen ist Bargeld derzeit das größte Hindernis für die Zentralbanken, negative Zinsen auf dem Markt durchzusetzen, die das Wirtschaftswachstum ankurbeln sollen. In der Theorie funktioniert das so: Erheben die Zentralbanken Minuszinsen, kostet es die Geschäftsbanken Geld, ihre Ersparnisse bei den Notenbanken zu parken. Im Idealfall verleihen die Banken ihr Geld dann lieber an Unternehmen und Privatleute in Form von Krediten. Mit diesen Krediten könnten Unternehmen investieren und so die Wirtschaft eines Landes wieder in Schwung bringen.

Zinsen unter null Prozent können Banken und Verbraucher jedoch ausweichen, indem sie Bargeld zu Hause horten. "Ohne Papiergeld wäre die häusliche Verwahrmöglichkeit nicht mehr möglich", erklärt Richert. Das Geld müsste zwangsweise, da physisch nicht vorhanden, auf den Konten der Banken verbleiben. Negative Zinsen wären dann einfacher durchsetzbar. (fp)