Die allgemeine Stimmung an den Aktienmärkten ist derzeit durchaus optimistisch. Viele Analysten prognostizieren eine Fortsetzung des Aufwärtstrends aus dem Vorjahr. Doch nicht alle Experten teilen diese Sorgenfreiheit. Das mögliche Ende der Pandemie könnte zu einem Absturz an den Märkten führen, warnt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer beim Vermögensverwalter Quant Capital Management. "Die Preise könnten im dritten Quartal so stark steigen, dass die Notenbanken zu Zinserhöhungen gezwungen wären", sagt der Experte. "Das würde den Aktienmarkt vor die Wand fahren lassen."

Besonders mögliche Nachholeffekte beim Konsum würden die Preise befeuern. "Diese Effekte mögen sich über einen längeren Zeitraum verteilen, vor allem wenn wir uns die Abfolge der weltweiten Pandemie anschauen", sagt Mlinaric. Je länger aber Lockdowns und die erzwungene Konsumzurückhaltung anhalten, desto schneller und stärker könnten sich die Effekte auswirken.

Das liegt nicht zuletzt am gewaltigen Notgroschen der Deutschen. Die nationale Sparquote, die in den vergangenen 20 Jahren recht stabil bei rund zehn Prozent lag, stieg 2020 auf 16,3 Prozent, den mit Abstand höchsten Wert seit der Wiedervereinigung. "Bezogen auf das Volkseinkommen würde das bedeuten, dass 2020 über 110 Milliarden Euro mehr gespart wurden als noch 2019", so Mlinaric.

Angst vor Mega-Inflation 
Dies kann, wenn es zu einem Nachholeffekt beim Konsum kommt, für einen beträchtlichen Nachfrageüberschuss sorgen. Das befürchtet auch der Berner Wirtschaftsprofessor AymoBrunetti: "Es ist nicht mehr auszuschließen, dass die Stimmung im Sommer mit der Eindämmung der Pandemie abrupt ins Positive kehrt und ein eigentlicher Konsum- und Investitionsboom losbricht." Die große Gefahr des Jahres 2021 bestehe darin, dass dieser Effekt so enorm werde, dass die Notenbanken zu mehr oder weniger sofortigem Handeln gezwungen seien, sagt Vermögensexperte Mlinaric. "Welchen Weg sie auch wählen, um eine dann anspringende Preisspirale abzufedern: Die Aktienmärkte werden es mit einem starken Rückgang quittieren." (fp)