Vor den Folgen der dauerhaften Nullzins-Politik warnt Rolf Ehlhardt vom Vermögensverwalter Independent Capital Management. Seiner Ansicht nach ist diese nämlich Unsinn. Durch das Befeuern der Märkte durch die Notenbanken wurde "nicht nur der Aufschwung zum Boom, was die Inflationsgefahr deutlich erhöht, sondern es konnten sich finanzschwache Staaten günstig finanzieren und so weiter über ihre Verhältnisse leben", moniert er. Auch habe die Geldpolitik dazu geführt, dass sich Zombie-Firmen weiter verschulden, was eine Marktbereinigung im Schumpeter'schen Sinne verhindere.

Auch auf Konsumentenseite sieht Ehlhardt Gefahr im Verzug: Verbraucher leisteten sich überteuerte Leasing-Autos, Elektrogeräte und andere Anschaffungen "auf Pump", die sie sich bei normalen Zinsen vielleicht über die nächsten zehn Jahre hätten leisten können. Auch taugt die Nullzinspolitik aus seiner Sicht nicht dazu, künftige Finanzkrisen zu verhindern, da sie zu Fragilitäten am Markt führe, zum Beispiel weil Substanzwerte teils "abartige Bewertungen" erzielten. "Wir haben nur die Fallhöhe nach oben verlegt", resümiert der Finanzprofi.

Vom Retter zum Blockierer
Waren Notenbanken in der Vergangenheit meist die Retter in der Not, die dann eingesprungen sind, wenn es Panik zu verhindern galt, hat sich ihre Funktion heute ins Negative verdreht, so Ehlhardts Urteil. Die "Nothelfer" der Finanzkrise 2008/2009 seien heute noch immer vor Ort. Ihren Rückzug sieht er auf unbestimmte Zeit versperrt: Würden die Notenbanken die Lockerungsprogramme beenden, würden die Zinsen steigen. "Dieses würde die Wirtschaftserholung torpedieren, mit entsprechenden Folgen für die Kapital- und Immobilienmärkte." (fp)