Sparer müssen früher oder später die bittere Realität akzeptieren: Die Zeit der Zinsen ist vorbei. Viele Anleger versuchen nun, eben diese durch Aktien von ausschüttungsstarken Unternehmen zu ersetzen. "Wer jedoch die Dividende mit einem Zins gleichsetzt und allein auf die Dividendenrendite schielt, kann böse Überraschungen erleben", warnt Markus Richert, Seniorberater beim Vermögensverwalter Portfolio Concept Vermögensmanagement. Denn als alleiniges Auswahlkriterium reiche die Dividendenrendite selten aus und die Dividende sei kein Ersatz für den sicheren Zins.
 
Der wichtigste Unterschied zwischen Dividende und Zins ist der zeitliche Horizont. Dividenden sind keine kurzfristige Lösung. Während es bei Zinsen möglich ist, lediglich für ein Jahr zu investieren und nach diesem Jahr zumindest die Zinsrendite einzustreichen, ist das bei Aktien für gewöhnlich nicht so leicht.  "Die Dividendenrendite ist kein Zahlungsversprechen, sondern ein börsentäglich schwankender Wert, der sich aus dem Verhältnis der Dividende zum aktuellen Aktienkurs ergibt", sagt Richert. Anleger müssen bereit sein, eine schwächere Marktperiode auszusitzen und weit mehr als eine Dividendensaison mitzunehmen. "Außerdem gibt es keine Garantie für die Ausschüttungen. Gerade in Krisenzeiten schrecken auch die eigentlich zuverlässigen Dividendenaristokraten nicht davor zurück, Dividenden zu kürzen oder sogar ganz ausfallen zu lassen", warnt Richert. Entsprechend eignen sich Dividendenaktien nur für mittel- bis langfristig orientierte Investoren als Zinsersatz.
 
Die richtige Auswahl treffen
Ein häufiger Fehler bei der Auswahl von Aktien sei es, die Dividendenrendite überzubewerten. Statt auf die Rendite sollten sich Anleger viel eher auf die Ausschüttungsquote konzentrieren: "Eine hohe Ausschüttungsquote kann darauf hindeuten, dass die Dividende nicht nachhaltig ist", erläutert Richert. Grundsätzlich gilt: Eine hohe Dividendenrendite bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie eine gute Anlage ist", sagt Rochert. Allerdings sei diese "eine zusätzliche Belohnung für eine gute Arbeit bei der Aktienauswahl". Denn nur Unternehmen mit einem nachhaltig funktionierenden Geschäftsmodell zahlen auch Dividende. (fp)