Vertraulicher Antrag: Nächster KI-Gigant vor dem Börsengang
OpenAI bereitet den nächsten großen Schritt vor. Der ChatGPT-Entwickler könnte bereits im Herbst an die Börse gehen und würde damit den Wettbewerb unter den KI-Schwergewichten weiter verschärfen.
OpenAI, der Entwickler von ChatGPT, hat vertraulich einen Antrag auf einen Börsengang gestellt. Die Firma reiht sich damit in eine wachsende Zahl von auf künstliche Intelligenz spezialisierten Unternehmen ein, die über die Kapitalmärkte Mittel für ihre ehrgeizigen Wachstumspläne aufnehmen.
Das von Sam Altman geführte Unternehmen reichte die Unterlagen für ein IPO bei der US-Börsenaufsicht SEC ein, wie OpenAI am Montag (8.6.) mitteilte. Für eine mögliche Börsennotierung, die bereits im Herbst erfolgen könnte, arbeitet das Unternehmen laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen mit Goldman Sachs und Morgan Stanley zusammen.
Zeitpunkt noch offen
Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen, Details können sich ändern. "Wir haben uns noch nicht auf einen Zeitpunkt festgelegt; es kann noch dauern, da es Dinge gibt, die sich als privates Unternehmen vermutlich leichter umsetzen lassen", erklärte OpenAI. "Es ist jedoch eine komplexe Abwägung – und dieser Schritt gibt uns die Möglichkeit, früher an die Börse zu gehen, falls sich das als sinnvoll erweist."
Zudem plant OpenAI laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person in den kommenden Wochen einen Aktienverkauf, um Mitarbeitern Liquidität zu verschaffen, noch vor dem Börsengang. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.
Wettbewerb in der KI-Branche nimmt zu
OpenAI wurde vor mehr als einem Jahrzehnt gegründet und löste Ende 2022 mit der Einführung von ChatGPT den Boom der generativen KI aus. Trotz dieser führenden Rolle steht das Unternehmen vor Herausforderungen, darunter wachsender Wettbewerb durch Anthropic und Google von Alphabet.
Zudem hat OpenAI Berichten zufolge interne Ziele bei Umsatz und Nutzerwachstum verfehlt. Mehrere wichtige Führungskräfte sind ausgeschieden oder haben sich aus ihren Funktionen zurückgezogen. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen daran, sein umfangreiches Produktportfolio zu straffen.
Anthropic, das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude, erklärte in der vergangenen Woche ebenfalls, vertraulich einen Börsengang beantragt zu haben. In der jüngsten privaten Finanzierungsrunde erreichte das Unternehmen eine Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar (836,2 Mrd. Euro) und übertraf damit erstmals OpenAI, während die Einnahmen stark stiegen.
Konkurrenz zu Musk auf neuer Ebene
Ein Börsengang im Jahr 2026 würde Altman zudem in direkteren Wettbewerb mit Elon Musk bringen – auf einer anderen Ebene als bei der gescheiterten Klage gegen OpenAI und dessen CEO. Musks Unternehmen SpaceX, das Raketen-, Satelliten- und KI-Geschäft vereint, strebt am Donnerstag (11.6.) einen Börsengang mit einer Bewertung von rund 1,8 Billionen Dollar an und könnte damit sofort zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt zählen.
OpenAI hat selbst bereits in einer einzelnen Finanzierungsrunde mehr Kapital eingesammelt als beim geplanten SpaceX-Börsengang angestrebt wird: Das Unternehmen beschaffte sich 122 Milliarden Dollar in der Finanzierungsrunde – bei einer Bewertung von 852 Milliarden Dollar.
KI-Unternehmen liefern sich derzeit einen Wettlauf um zweistellige Milliardenbeträge, um Chips und Rechenzentren zu finanzieren und leistungsfähigere KI-Systeme zu entwickeln. Im Februar hatte OpenAI Investoren mitgeteilt, bis 2030 rund 600 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investieren zu wollen. (mb/Bloomberg)















