Multinationale Konzerne diversifizieren ihre Produktion, um ihre Lieferketten resilienter aufzustellen, darunter Unternehmen wie der chinesische Elektroautohersteller BYD, das koreanische Konglomerat Samsung, der deutsche Sportartikelhersteller Adidas und der dänische Spielzeugkonzern Lego. Dragon-Capital-Chairman Dominic Scriven legte dar, dass im vergangenen Jahr 28 Milliarden US-Dollar an ausländischen Direktinvestitionen nach Vietnam geflossen sind, ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Das Exportvolumen Vietnams hat von knapp 80 Milliarden Dollar 2010 auf über 400 Milliarden Dollar 2024 zugelegt. "Die Entwicklung zum globalen Produktions-Hotspot wird deutlich an der Zusammensetzung des Exports", erklärte Scriven. "2010 hatten Elektronik und Maschinen einen Anteil von 14 Prozent, 2024 waren es 55 Prozent." 

Investitionen in Infrastruktur
Die Beliebtheit von Vietnam wird zugleich durch den Zustrom ausländischer Investitionen und steigende staatliche Investitionen verstärkt. Scriven nannte eine zuverlässige Stromversorgung und ein gut ausgebautes Straßennetz als wichtige Voraussetzungen für effizientes Produzieren; zugleich ermögliche das 5G-Netz Vietnams Automation und gut funktionierende Lieferketten. Wichtig ist Scriven zufolge auch, dass sich in den vergangenen Jahren ein Netz von Zuliefererfirmen in Vietnam entwickelt hat. "Die Unternehmen finden mittlerweile mehr als 40 Prozent ihrer Zulieferer in Vietnam, während es 2020 nur 15 Prozent waren", so der Chairman. 

Als weiteren Punkt nannte er den großen Talentpool aus Personen mit Erfahrung in multinationalen Konzernen, was Innovation und das Wachstum von Start-ups fördert. Partnerschaften von Unternehmen mit Universitäten stellen sicher, dass ständig neue qualifizierte Mitarbeiter kommen. 

Marktkapitalisierung versechsfacht
"Der vietnamesische Aktienmarkt hat eine Dekade explosiven Wachstums hinter sich", sagte Scriven. Er rechnete vor, dass sich die Marktkapitalisierung von 2014 bis 2025 auf 350 Milliarden Dollar mehr als versechsfacht hat. Zugleich wuchs die Zahl der gelisteten Firmen von gut 900 auf mehr als 1600, die Zahl der Unternehmen mit einem Marktwert über einer Milliarde Dollar versechsfachte sich von neun auf 54. Das ging einher mit einem neun Mal höheren Tagesumsatz von 1,4 Milliarden Dollar. Der vietnamesische VN Index legte in den vergangenen zwölf Monaten rund 40 Prozent zu. 

Scriven rechnet in den kommenden Monaten mit einem starken Zuwachs von Mitteln insbesondere passiv anlegender institutioneller Investoren. "Dazu trägt die Aufstufung vom Frontier Market zum Emerging Market bei", die der Indexanbieter FTSE Russell für dieses Jahr angekündigt hat. Scriven erwartet, dass der Indexanbieter MSCI 2027 ebenfalls eine entsprechende Ankündigung macht.

Für vietnamesische Aktien spricht, dass sie im Vergleich der acht wichtigsten Länder der Region das höchste Gewinnwachstum aufweisen, bei einer Bewertung gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis, die die zweitniedrigste unter den Peers ist, sagte Fondsmanagerin Mai Vu. 

Banken und Immobilien
Der Vietnam Equity Fund von Dragon Capital legt in börsennotierte vietnamesische Firmen an, die insbesondere von den Megatrends "Umstrukturierung der Lieferketten und Wirtschaftswachstum", "Infrastruktur und Urbanisierung" sowie "Entstehung einer Mittelklasse" profitieren, wie Vu erläuterte.

"Mit Banken partizipieren wir am besten von der vietnamesischen Wachstumsstory, denn sie sind die Lebensader der Wirtschaft", erklärte Vu. "Wir mögen hier vor allem ein starkes Wachstum im Kreditgeschäft, eine stabile Nettozinsmarge und eine gute Qualität des Kreditbuchs bei einer nicht zu hohen Bewertung." Mit knapp 38 Prozent ist das Gewicht von Banken im Fonds größer als in der Benchmark, dem VN Index. Mit gut sieben Prozent ist die Vietin-Bank die drittgrößte Einzelposition im Fonds.

Die zweitwichtigste Branche im Fonds bildet mit gut 25 Prozent der Immobiliensektor, hier sind das Konglomerat Vingroup und der Entwickler Vinhomes aktiv, mit knapp neun und gut acht Prozent die größten Positionen im Fonds. (dv)