Die neuesten Zahlen der amerikanischen Börsenaufsicht SEC machen die Doppelmoral einiger Banken in Bezug auf Gold-Investments allzu deutlich. So war Gold vor gut einem Monat laut Morgan-Stanley-Analyst Joel Crane noch das unattraktivste Investment überhaupt. Nicht einmal zwei Wochen ist es her, als die Bank of America ihren Anlegern zum Goldverkauf riet. Tatsächlich haben die beiden Großbanken, wie jetzt bekannt wurde, ihre Anteile am weltgrößten Gold-ETF, dem SPDR Gold Trust, im ersten Quartal 2014 markant erhöht: die Bank of America stockte um 4,9 Prozent, Morgan Stanley um sage und schreibe 18,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf.

Einer, zu dessen Job es gehört an die langfristige Werthaltigkeit von Gold zu glauben, ist Thorsten Polleit. In seinem aktuellen Marktkommentar rührt der Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel die Werbetrommel kräftig wie selten. "Die weltweit eingeleiteten Geldpolitiken, die auf eine fortgesetzte Geldmengenvermehrung weisen, sollte sich früher oder später in einem steigenden Goldpreis niederschlagen. Es ist Zeit, Gold zu kaufen", so der erfahrene Ökonom.  Was ihn derzeit besonders antreibt, sind die jüngsten Spekulationen über weitere Zinssenkungen und andere geldpolitische Maßnahmen durch die Europäische Zentralbank.

Die Mehrheit der Ökonomen scheint aktuell fest mit einem weiteren geldpolitischen Stimulus zu rechnen. Der Gründe sind bekannt: schwaches Wachstum und zu niedrige Inflation. Laut Polleit könnte der EZB-Rat den Euro-Leitzins am 5. Juni von 0,25 auf 0,15 Prozent senken oder wenigstens eine Bandbreite von null bis 0,25 Prozent beschließen. Auch werde über einen negativen Einlagenzins für "Überschussguthaben" der Banken nachgedacht, heißt es. Zu guter Letzt liebäugle die EZB mit dem Aufkauf von Bankkrediten und/oder Wertpapieren – eine Politik, die als Quantitative Easing bezeichnet wird.

Was bedeutet all das für den Goldpreis?
All diese Maßnahmen seien mit "negativen Wirkungen" oder "heiklen Problemen" verbunden, so Polleit, der damit weiterhin an "tiefe – oder sogar noch tiefere – Zinsen" beziehungsweise an "japanische Zinsverhältnisse" glaubt. Aber was hieße das für den Goldpreis, Herr Polleit? "In unseren Beiträgen haben wir verschiedentlich darauf hingewiesen, dass sinkende Zinsen tendenziell den Goldpreis positiv beeinflussen", so das Fazit.

Seine Goldpreisprognose hat der Ökonom entsprechend angehoben. Eine Feinunze Gold notiert bereits seit ein paar Wochen im Bereich der Marke von 1.300 US-Dollar und damit immer noch mehr als 30 Prozent unter ihrem Höchstwert aus dem Jahr 2011. Zu Jahresbeginn lag der Goldpreis bei 1.200 US-Dollar. Bis Jahresende werde er laut Polleit auf 1.391 bis 1.480 US-Dollar steigen. (dw)

Zusammenhang zwischen Goldpreis und Zinsen
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Der Chart zeigt den Renditeverlauf zehnjähriger Staatsanleihen und deie Entwicklung des Goldpreises; Quelle: Thomson Financial, Degussa Goldhandel