Wann, ja wann, wird die Fed die Zinsen anheben? Diese Frage treibt seit geraumer Zeit zahllose Investoren um. Zinsanhebungen in den USA seien grundsätzlich möglich, sagt Thorsten Polleit, wirklich daran glauben mag der Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel allerdings nicht. Denn sollte es tatsächlich dazu kommen, könnte dies zu erheblichen Erschütterungen an den Finanzmärkten und auch hinsichtlich der konjunkturellen Erholung führen. Der Grund ist dieser: "Das weltweite Schuldgeldsystem kann steigende Zinsen nicht verkraften, ohne dass die Probleme zutage treten, die Regierungen und Zentralbanken verbergen wollen."

Nur die Eingriffe der Zentralbanken in die Kreditmärkte nach 2008/2009 haben laut Polleit verhindert, dass die Kreditpyramide zusammengestürzt ist. Denn angesichts des Versprechens, dass Pleitewellen abgewendet werden, sein Investoren wieder bereit, Schuldnern mit unter normalen Umständen unzureichender Bonität Geld zu leihen. Die "Dauerschuldnerei" könne also weitergehen, so Polleit. Fragt sich nur, wie lange noch. 

Denn ein Umfeld sinkender Zinsen provoziere erstens fehlgeleitete Investitionen und Spekulationsblasen, und zweitens brauche es Kreditgeber, die auch dann noch bereit sind, fällige Schulden zu refinanzieren. Zumindest in diesem Punkt gibt es aktuell noch keine Schwierigkeiten, die Anleihen der für sicher gehaltenen Emittenten werden selbst zu Quasi-Nullzinsen bereitwillig gekauft. Die Investoren gehen davon aus, dass die Zinsen früher oder später wieder auf "auskömmliche" Niveaus steigen, vermutet Polleit. Er selbst hält die Aussichten dafür, wie bereits erwähnt, für gering.

Gold wieder bei 1.400 Dollar Ende 2015?
Im aktuellen Goldpreis –  zuletzt lag der Preis für eine Feinunze wieder knapp über der Marke von 1.200 US-Dollar – seien all diese Risiken, die mit einem erneuten Aufflammen der Kreditausfallsorgen oder Inflationsgefahren verbunden sind, noch nicht berücksichtigt, so der Spezialist, dessen Prognosen von einem Durchschnittspreis in Höhe von 1.287 US-Dollar für das Jahr 2015 ausgehen (2014: 1.255 US-Dollar). Die geschätzte Bandbreite reicht von 1.325 bis 1.410 US-Dollar. (dw)