Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor den Nebenwirkungen der ultralockeren Geldpolitik der Zentralbanken. In ihrem Quartalsbericht haben die Experten die Anspannungen am US-amerikanischen Geldmarkt Mitte September untersucht. Diese lösten sich erst, als die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Markt über mehrere Wochen mit täglich 75 Milliarden US-Dollar stützte. Der BIZ zufolge geht die Bedeutung dieses Ereignisses weit über die kurzfristigen Verwerfungen hinaus, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Die Autoren beobachten eine gefährliche Abhängigkeit der Banken von der Geldpolitik. Über die Jahre hätten sich die Kreditinstitute an reichlich vorhandene Überschussreserven gewöhnt, weshalb deren Abzug nun zu unvorhersehbaren und plötzlichen Marktanpassungen führen kann. "Es ist so, als sei ein Muskel verkümmert", zitiert die FAZ Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ.

Hedgefonds stören Gleichgewicht
Den Grund für die Anspannungen, die den Übernachtzinssatz im September sprunghaft steigen ließen, haben die Experten noch nicht abschließend identifiziert. Eine Rolle dürfte aber die horrende Nachfrage nach besicherten Finanzierungen durch Hedgefonds gespielt haben. Zugleich hätten sich die großen Zentralbanken größtenteils geweigert, die dafür nötigen Mittel bereitzustellen.

Für Borio sind die Verwerfungen ein deutliches Zeichen dafür, wie die wachsende Mitwirkung von Nichtbanken am Geld- oder Repomarkt das Gleichgewicht stören können. "Die Repomärkte könnten sich abermals im Auge des Zyklons wiederfinden, sollte es irgendwann zu Spannungen im Finanzsystem kommen", fürchtet der Experte. (fp)