Als die Aktienkurse infolge des Corona-Schocks einbrachen, war Gold nicht der Rettungsanker, zu dem seine Fans es gern hochstilisieren. Auch der Goldpreis hat zuletzt deutlich nachgegeben. Nun könnten Gold und andere Edelmetalle allerdings vor einem Aufwärtstrend stehen, sagt Michel Salden, Portfoliomanager bei Vontobel Asset Management. In den vergangenen Wochen seien Hedgefonds und andere Großinvestoren gezwungen gewesen, Gold zu verkaufen, um sich Dollar-Liquidität zu beschaffen, erklärt er. "Aber sobald der Liquiditätsengpass der US-Währung vorbei ist, wird das Edelmetall einen starken Anstieg erfahren."

Salden verweist darauf, dass viele Notenbanken ihre Leitzinsen weiter senken dürften, dass sich Staaten im Zuge der Corona-Krise wohl noch massiver verschulden werden als bisher und dass einige Zentralbanken, etwa die Fed, sogar darüber nachdenken, Helikoptergeld abzuwerfen. All diese Faktoren dürften Anleger zurück in Gold und andere Edelmetalle treiben und deren Preis unterstützen, argumentiert er.

Ölfirmen bleiben unter Druck
Schwieriger präsentiert sich die Lage am Ölmarkt. "Dieser sieht sich mit extremen Lagerbestandsaufstockungen konfrontiert", sagt der Vontobel-Experte. Er fragt sich, wann Russland und Saudi-Arabien endlich zur Vernunft kommen und einsehen, dass ihr Preiskampf keinen Gewinner kennt. "Das derzeitige Überangebot wird die langfristigen Investitions- und Finanzierungspläne der Schieferölproduzenten und großen Ölfirmen zerstören", befürchtet er. (fp)