Der Vorschlag klingt charmant: Weil Negativzinsen das Vermögen deutscher Sparer auffressen, soll der Staat die Vorsorge übernehmen – und zwar über einen Bürgerfonds nach norwegischem Vorbild. Dort legt die Regierung schon seit den neunziger Jahren die Öl- und Gaseinnahmen in einem gewaltigen Staatsfonds an, der seinen Bürgern in der Zukunft zugutekommen und ihre Altersabsicherung dank stabiler Investmentrenditen gewährleisten soll. Der Grünen-Politiker Robert Habeck kann sich dieses Modell auch für Deutschland vorstellen. Solch ein Fonds sei machbar und kein "Hexenwerk", sagte er unlängst der "Süddeutschen Zeitung".

Experten stehen der Idee zwiegespalten gegenüber. Norwegen befände sich in einer speziellen Situation, die mit Deutschland nicht zu vergleichen sei, sagte William Meggison, Professor an der Universität in Oklahoma im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Norwegen nutze den Fonds, um Rohstoffeinnahmen im Ausland zu investieren und so die eigene Währung zu stabilisieren. Aus Renditeaspekten seien die Produkte dagegen nicht zu empfehlen, weil sie im Vergleich zu privaten Investitionen eine schlechtere Rendite erwirtschaften.

Bonität als Rohstoff
Philipp Vorndran von der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch sieht das anders. Die Deutschen besäßen zwar keine klassischen Rohstoffvorräte wie die Norweger, sagte er der FAZ. Doch die Bundesrepublik verfüge über das beste Kreditrating der Eurozone. Das sei "unser Rohstoff", argumentiert der Experte. "Den können wir genauso nutzen wie die Norweger."

Es gehe auch nicht um die Erwirtschaftung gigantischer Renditen, sondern darum, etwas von dem aktuellen Zinsumfeld an die künftigen Generationen weiterzugeben. Derzeit kann sich die deutsche Regierung so günstig refinanzieren, wie noch nie. Deshalb hält Vorndran es für einen Fehler, die schwarze Null wie eine Monstranz durch die Gegend zu tragen. (fp)