Im kommenden Jahr tritt die Reform der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) in Kraft, die die Zukunftsvorsorge vor allem für mittelständische Unternehmen und ihre Angestellten attraktiver machen soll. Experten bezweifeln allerdings den Erfolg der Reform: "Kleine und mittlere Unternehmen nutzen bislang kaum die bAV", sagt Vera Moll, Expertin für betriebliche Altersversorgung bei der Finanzberatung Novethos Financial Partners GmbH aus München. "Und die neuen Regelungen ab 2018 werden daran wohl wenig ändern."

Die bAV hat laut Moll den Vorteil, dass Arbeitnehmer bei der Entgeltumwandlung Steuern und Sozialabgaben sparen. Entsprechend viele Beschäftigte nutzen Angebote ihres Arbeitgebers, rund 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in Deutschland haben eine Betriebsrente, besagen Zahlen der Allianz Lebensversicherung AG. "Bei Arbeitnehmern mit geringem Einkommen und bei kleineren und mittleren Unternehmen gibt es jedoch Nachholbedarf", sagt die bAV-Expertin. Hier liege der Anteil der Mitarbeiter, die eine Betriebsrente aufbauen, bei gerade einmal 19 Prozent. Das soll mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz anders werden.

Viele Mittelständler sind nicht tariflich organisiert
Das Problem bei der Reform: "Es soll über vor allem für tarifgebundene Unternehmen attraktiver werden, eine Betriebsrente anzubieten", sagt Moll. Die eigentliche Zielgruppe, die zu fördernden kleinen und mittleren Unternehmen, seien häufig aber nicht tarifvertraglich gebunden.

Zudem kritisiert Moll das vorgesehene sogenannte Sozialpartnermodell: Demnach sollen Unternehmen nur für die Höhe der Beiträge einstehen, nicht aber für die aus den Beiträgen zu zahlenden Leistungen. "Ob die vorgeschlagene tarifvertragliche Lösung mit einer reinen Beitragszusage zu mehr bAV führt, ist fraglich", sagt Moll. (fp)