Ende Januar, Zeit für den obligatorischen Blick auf die Entwicklung der Kapital- und insbesondere der Aktienmärkte im kommenden Jahresverlauf. Dieses wiederkehrende "Ritual" auf dem FONDS professionell KONGRESS 2020 vollziehen, neben anderen Investmentprofis, auch die Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, Hendrik Leber und Andreas Grünewald in einer  Diskussionsrunde auf Einladung des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV). Ein Fokus des vom Journalisten Andreas Franik geleiteten Meinungsaustauschs lag auf der Frage, inwieweit der Ausbruch von Infektionen mit dem Coronavirus die wirtschaftliche Entwicklung Chinas sowie anderer Länder und damit die Börse beeinflussen wird.

Ehrhardt, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender von DJE Kapital, verwies in dem Zusammenhang darauf, dass die raschen Maßnahmen der chinesischen Regierung dazu führten, dass die Flugverbindungen in und aus dem asiatischen Land gekappt sind. "Das lähmt die Wirtschaftsentwicklung. Gerade US-amerikanische Firmen setzen in China gefertigte Komponenten ein." Der Investmentprofi hält es daher nicht für ausgeschlossen, dass das Wirtschaftswachstums China im laufenden Jahr ein oder zwei Prozentpunkte geringer ausfallen könnte – mit Auswirkungen auf die weltweiten Märkte.

Viele Aktien sind günstig
"Der Ausbruch eines solchen Virus und die damit verbundene schlechte Stimmung ist eigentlich eine gute Gelegenheit, Aktien zu kaufen", lenkte Leber, Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der Acatis Investmentgesellschaft, den Blick auf die Investmentseite. Andreas Grünwald, Vorstand des Vermögensverwalters FIVV aus München und Vorstandsvorsitzender des VuV, stimmte Leber hier vollumfänglich zu.

Grundsätzlich sind die Kapitalmarktexperten optimistisch für die Entwicklung der Börsen. Grünewald erwähnt in dem Kontext vor allem die gute wirtschaftliche Lage: "Die Welt ist besser, als viele denken!" So gab es zuletzt ein globales Wachstum von 3,5 Prozent. Zudem seien die Arbeitslosenzahlen in den USA niedrig, was gut für den Konsum an dem wichtigen Markt ist. Die Verbraucher dort hätten auch Vertrauen in die Wirtschaft. Ferner seien die Bewertungen vieler Aktien gut: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im DAX betrage 14, bei asiatischen Börsen sehe es ähnlich günstig aus, so Grünewald – was für die Aktie spreche.

Dax bei 16.000 Punkten?
"Die Zinsen sind so niedrig, daher müssen die Aktienkurse eigentlich weiter steigen", kommentierte Leber. Der Acatis-Chef hat daher auch nicht vor, seine Portfolios umzustrukturieren. "Ich ziehe nur ein paar Sicherheitsleinen ein." DJE-Vorstandschef Ehrhardt nennt als einen von mehreren Gründen für ein grundsätzlich gutes Börsenjahr, dass die Rotation von Anleihen in Aktien trotz der niedrigen Zinsen noch nicht lange nicht abgeschlossen sei. Aus markttechnischer Sicht gebe es zudem weiterhin einen Trend nach oben, auch wenn es kurzfristig nach unten gehe könne. Er wagt sogar eine Prognose: "16.000 Punkte im Dax sind im laufenden Jahr durchaus möglich." (jb)