Unter der Mehrheit der Marktteilnehmer gilt es als ausgemacht, dass die Federal Reserve im Laufe dieses Jahres die Zinsen in bis zu vier Schritten kräftig anheben wird. Manch einer rechnet sogar mit gleich fünf Zinsmaßnahmen. Auch in Bezug auf die Entwicklung der Konjunktur sind sich viele Akteure einig: Die derzeitige Corona-Welle habe der Wirtschaft weltweit zwar einen Dämpfer versetzt, mit einem voraussichtlichen Abflauen der Welle im März aber dürfte sich auch die Weltwirtschaft wieder beleben.  

Der einst als Bond-König gefeierte Bill Gross ist da deutlich skeptischer. In einem als "Contrarian Alert" bezeichneten Blog-Beitrag auf seiner eigenen Internetseite warnt der Pimco-Gründer vor allzu viel Zuversicht. In der kurzen Notiz prognostiziert er, das BIP-Wachstum werde sich in den kommenden Monaten stark abschwächen, um Ende des zweiten Quartals 2022 bei etwa null Prozent zu liegen. Gross erinnert in diesem Zusammenhang an die auf den US-Ökonomen Irving Fisher zurückgehende mathematische Formel der sogenannten Quantitätsgleichung M mal V gleich P mal T. Danach entspricht die Geldmenge (M) multipliziert mit deren Umlaufgeschwindigkeit (V) dem Preisniveau (P) multipliziert mit der durchschnittlichen Anzahl (T) der in einer Periode stattfindenden Transaktionen. Und weil sich das Wachstum der Geldmenge stark abschwächen werde und sich gleichzeitig deren Umlaufgeschwindigkeit verlangsamen werde, wirke sich das eben auch auf der anderen Seite der Gleichung entsprechend negativ aus. Im Grunde geht Gross davon aus, dass eine straffere Geldpolitik nicht das schnelle Wachstum bringen wird, das viele Investoren erwarten, was in der Folge zu einem Kursrückgang an den Aktienmärkten führen dürfte.

Zehnjährige US-Zinsen werden die Zwei-Prozent-Marke nicht übersteigen  
Auch mit Blick auf die Zinsentwicklung hegt Gross eine Erwartung, die sich deutlich von der Meinung der meisten Marktteilnehmer unterscheidet. Laut dem früheren Ausnahmeinvestor wird die amerikanische Notenbank ihre Zinsschritte eben aufgrund des zurückgehenden Wirtschaftswachstums und einer geringeren Umlaufgeschwindigkeit der Geldmenge im laufenden Jahr auf 75 Basispunkte begrenzen. Daraus schließt Gross: Leerverkäufe von zehnjährigen US-Staatsanleihen mit Renditen von zwei Prozent oder mehr wären ein Verlustgeschäft für Investoren. (hh)