Mehrere große Wall-Street-Banken bereiten sich auf ein weiteres starkes Jahr in den Schwellenländern vor. Sie prognostizieren, dass eine Abschwächung des US-Dollar sowie der Investitionsboom in künstliche Intelligenz (KI) der Anlageklasse zusätzlichen Auftrieb geben werden.

Fed-Zinssenkungen befeuern Rally
Diese Rückenwinde dürften die diesjährigen Gewinne in den Schwellenländern verstärken: Lokalwährungsanleihen haben Anlegern bislang rund sieben Prozent Rendite eingebracht – der höchste Wert seit 2020 –, und ein Währungsindex liegt mehr als sechs Prozent im Plus. Laut Strategen von Morgan Stanley dürfte sich diese Rally fortsetzen, gestützt durch die Erwartung weiterer Zinssenkungen der Federal Reserve, während die US-Wirtschaft Schwächesignale zeigt.

Schwacher Dollar "schafft günstiges Umfeld für Schwellenländer"
Die Bank rät ihren Kunden weiterhin zu Long-Positionen in Schwellenländeranleihen in lokaler Währung und erwartet bis Mitte 2026 Renditen von etwa acht Prozent. Für Schwellenländeranleihen in US-Dollar rechnet sie über zwölf Monate mit Gewinnen im "hohen einstelligen Bereich". James Lord, Leiter der Schwellenländer-Devisenstrategie bei Morgan Stanley, erklärte dazu: "Zinssenkungen der Fed dürften den Dollar unter Druck setzen. Das drückt die Renditen von US-Staatsanleihen und schafft ein günstiges Umfeld für Schwellenländer."

Währungseffekte stützen Ausblick – Carry Trades im Aufwind
Die Prognose hängt auch von einer Aufwertung der Schwellenländerwährungen gegenüber einem schwächeren Dollar ab. Ein "Bloomberg"-Index, der Carry-Trade-Erträge über acht Schwellenländer hinweg misst – finanziert durch Short-Positionen im US-Dollar –, ist in diesem Jahr um mehr als zwölf Prozent gestiegen und verzeichnet damit die stärkste Entwicklung seit der globalen Finanzkrise.

Bank of America und Goldman Sachs ebenfalls optimistisch
Auch andere Banken teilen diese Einschätzung: Bank of America und Goldman Sachs rechnen ebenfalls mit einem schwächeren Dollar. Die BofA-Strategen erwarten für lokale Schwellenländeranleihen im kommenden Jahr Renditen von mehr als zehn Prozent und verweisen auf die türkische Lira und den brasilianischen Real als bevorzugte Carry-Trade-Währungen.

In einer Notiz schrieben Strategen um David Hauner: "Unser Basisszenario sieht einen schwächeren Dollar, niedrigere Zinsen, niedrige Ölpreise und moderat steigende Aktienmärkte vor." Gleichzeitig warnten sie: "Historisch betrachtet bleiben Risikoprämien selten über längere Zeit so niedrig."

KI-Investitionen als zusätzlicher Wachstumstreiber
Einen weiteren positiven Impuls sehen JP-Morgan-Analysten in den enormen Investitionsprogrammen im Bereich künstliche Intelligenz. Die Bank prognostiziert KI-bezogene Investitionen in den USA von 628 Milliarden Dollar im Jahr 2028. Das sollte sich in Schwellenländern über Technologieexporte und steigende Metallpreise bemerkbar machen.

JP Morgan bleibt bullish – kräftige Mittelzuflüsse erwartet
JP-Morgan-Strategen um Luis Oganes bleiben bei Schwellenländerwährungen und lokalen Anleihen optimistisch. Sie rechnen im kommenden Jahr mit Mittelzuflüssen von 40 bis 50 Milliarden Dollar in EM-Anleihefonds. In einer Analyse hieß es: "Wir gehen davon aus, dass eine Kombination aus besserer Stimmung und einer strukturellen Untergewichtung von Schwellenländeranlagen die Zuflüsse antreiben wird." (mb/Bloomberg)