Sofern diesmal nicht alles anders ist, dann steht fest, dass auch der derzeitige, seit dem Jahr 2009 anhaltende, wirtschaftliche Aufschwung einmal enden wird. Bei der Frage, wann dies der Fall sein wird, lohnt sich ein Blick auf die Länge früherer Konjunkturanstiege.

Die US-Finanzseite Seeking Alpha hat zu diesem Zweck alle Expansionsphasen nach Rezessionen seit Ende der Weltwirtschaftskrise aufgelistet (siehe Grafik). Diese Analyse zeigt, dass wir aktuell bereits den zweitlängsten Aufschwung seit fast 90 Jahren erleben. Seit 108 Monaten weist die US-Wirtschaft positive Wachstumsraten auf, und nur in den 1990er Jahren gab es mit dem in den frühen 2000ern endenden wirtschaftlichen Höhenflug eine längere Periode ohne Rezession. 120 Monate war die US-Wirtschaft gewachsen, bevor mit dem Ende der Dot-Com-Blase ein Rückschlag erfolgte.

"Historische Schallmauer" könnte durchbrochen werden
Die Wahrscheinlichkeit, dass die gegenwärtige Hochkonjunktur in näherer Zukunft enden wird, nimmt mit der Länge der hinter uns liegenden Aufschwungsphase ohne Zweifel zu. Allerdings zeigt die Liste der Konjunkturanstiege von Seeking Alpha, dass die Dauer solcher Phasen in den letzten Dekaden tendenziell zugenommen hat. Und damit verbessern sich auch die Chancen, dass die "historische Schallmauer" von 120 Monaten diesmal durchbrochen werden könnte. Der Seeking-Alpha-Autor vermutet, dass dies an der Notenbankpolitik liegen könnte: "Die letzten vier wirtschaftlichen Expansionsphasen gehören zu den sechs längsten der Post-Depressions-Ära. Daraus könnte man schließen, dass eine reifere Geldpolitik in zunehmendem Maß in der Lage ist Inflation und Arbeitslosigkeit unter Kontrolle zu halten", schreibt er.

Bezüglich des möglichen Auslösers einer Rezession meint Seeking Alpha, dass wirtschaftliche Expansionsphasen nicht an Altersschwäche, sondern entweder an einer restriktiven Geldpolitik oder an exogenen Schocks sterben. Die US-Steuerreform wird hier als möglicher Faktor für eine Fortsetzung der Konjunkturstärke gesehen, allerdings werde es für die US-Notenbank angesichts der günstigen Arbeitslosenstatistik immer schwieriger, ihre moderate Politik fortzusetzen. Inflationsdämpfend wirke jedoch die demografische Entwicklung, sodass für die Fed noch kein akuter Handlungsbedarf bestehe. Sofern der Handelskrieg mit China nicht weiter eskaliere, sind die Chancen auf eine Rezession innerhalb der kommenden zwölf Monate nach Einschätzung von Seeking Alpha nicht hoch. Ergänzt wird diese Prognose allerdings um die Warnung, dass man Mitte 2007 zu einem sehr ähnlichen Ergebnis hätte kommen können.

Aus europäischer Sicht könnte man einwenden, dass eine US-Rezession nicht gleichbedeutend mit einer wirtschaftlichen Talfahrt diesseits des Atlantiks sein muss. Allerdings legt ein Blick in die Historie nahe, dass sich weder Europa noch Asien einem Konjunktureinbruch der US-Wirtschaft entziehen könnten. (gf)