Warum 2026 für Qualitätsaktien mehr als ein Neubeginn sein könnte
2025 war für Qualitätsinvestoren ein schwieriges Jahr. Portfoliomanager Mark Schumann sieht darin jedoch keinen Bruch des Ansatzes, sondern eine bewertungsgetriebene Phase – und für 2026 zunehmende Chancen für Qualitätswachstum.
Der europäische Aktienmarkt hat Qualitätsinvestoren im Jahr 2025 hart getroffen. Kaum ein anderes Jahr der vergangenen Jahrzehnte war von einer derart abrupten Rotation zugunsten von Value-, Bank- und Verteidigungswerten geprägt. Für Investoren mit einem konsequenten Qualitätswachstumsansatz bedeutete das einen Gegenwind von seltener Intensität.
Aus Sicht von Portfoliomanager Mark Schumann war 2025 allerdings kein klassischer Konjunkturzyklus, sondern vor allem ein Bewertungszyklus. "Die starke absolute Performance des europäischen Marktes speiste sich primär aus einer Ausweitung der Multiplikatoren in zyklischen Segmenten – nicht aus strukturellem Gewinnwachstum", betont er. Banken und Verteidigungswerte dominierten die Indexentwicklung, während Unternehmen mit hoher Visibilität, stabilen Margen und langfristigen Wachstumstreibern deutlich abgewertet wurden. Qualität sei kurzfristig kaum honoriert worden, habe fundamental jedoch nur wenig an Substanz verloren.
Bewertungsdruck statt Fundamentalkrise
Genau diese Diskrepanz steht aus Schumanns Sicht im Zentrum der aktuellen Lage. Auch zum Jahreswechsel 2025/26 zeigten die Portfolios ein robustes organisches Umsatz- und Gewinnwachstum, deutlich über dem Marktdurchschnitt. Der Rückgang der relativen Performance sei "in erster Linie bewertungsgetrieben" gewesen. Qualitätsaktien notierten inzwischen nahe dem unteren Ende ihrer historischen Bewertungsbandbreiten, während viele Value-Segmente nach zwei außergewöhnlich starken Jahren klar über ihren langfristigen Durchschnitten gehandelt würden.
Darin sieht Schumann kein Argument für eine nachhaltige Stilwende. Im Gegenteil: "Der Fokus liegt weiterhin auf Unternehmen mit strukturellem Wachstum, geringer Zyklizität und klarer Preissetzungsmacht." Dazu zählen aus seiner Sicht insbesondere Gesundheitswesen, Software, Daten, Industrie-Services und Premium-Konsum. Die Portfolioanpassungen im vergangenen Jahr hätten genau dieser Philosophie entsprochen: selektive Zukäufe zur Erhöhung von Qualität und Visibilität sowie konsequente Verkäufe dort, wo sich Risiko oder Wachstumslogik verschlechtert hätten. "Nicht Marktmeinungen, sondern Fundamentaldaten blieben dabei der entscheidende Kompass", so Schumann.
Mehr Differenzierung im Jahr 2026
Für 2026 erwartet der Portfoliomanager kein abruptes Umschwenken des Marktregimes, wohl aber eine zunehmende Differenzierung. In einem Umfeld ohne klaren zyklischen Aufschwung dürften stabile Gewinne, Free-Cashflow-Generierung und Bilanzqualität wieder stärker in den Fokus rücken. Zusätzlichen Rückenwind für hochwertige Wachstumsunternehmen sieht Schumann, falls langfristige Zinsen sinken oder sich der US-Dollar stabilisieren sollte.
Der Blick zum Jahresanfang 2026 ist daher von vorsichtigem Optimismus geprägt. Nicht, weil eine schnelle Stilumkehr garantiert wäre, sondern weil die Lücke zwischen fundamentaler Ertragskraft und Marktbewertung bei Qualitätsunternehmen selten größer gewesen sei. Für langfristig orientierte Investoren bleibt die Überzeugung aus Schumanns Sicht klar: "Qualität in Verbindung mit Wachstum ist kein Modestil. Sie ist ein langfristiger Wettbewerbsvorteil." (mb)















