Die großen US-Technologiekonzerne gehören bislang zu den auffälligsten Nachzüglern der Börsenrally 2026. Während der Boom rund um künstliche Intelligenz (KI) zahlreiche Technologieaktien auf neue Höchststände treibt, treten die sogenannten "Magnificent Seven" weitgehend auf der Stelle.

Der Bloomberg Magnificent 7 Price Return Index, zu dem unter anderem Nvidia, Alphabet und Amazon gehören, legte bis Donnerstag (9.7.) lediglich um 1,8 Prozent zu. Zum Vergleich: Der Philadelphia Stock Exchange Semiconductor Index gewann seit Jahresanfang 83 Prozent. Insgesamt entwickelten sich die "Magnificent Seven" schlechter als 300 Unternehmen im S&P 500, darunter auch deutlich kleinere Werte wie Dollar Tree oder Hubbell.

Kursziele geraten unter Druck
Die Entwicklung bereitet Wall-Street-Strategen Sorgen. Die "Magnificent Seven" stellen rund ein Drittel der Marktkapitalisierung des S&P 500 und galten bislang als entscheidender Treiber des US-Aktienmarktes. Analysten erwarten den S&P 500 zum Jahresende im Durchschnitt bei 7.824 Punkten. Sollten die Tech-Giganten jedoch weiterhin kaum zulegen, müssten die übrigen 493 Indexmitglieder bis Ende Dezember nochmals um 6,8 Prozent steigen – zusätzlich zu ihrem bisherigen Jahresplus von 13 Prozent.

"Von hier aus dürfte es für den S&P schwierig werden, seinen Aufwärtstrend ohne Beteiligung der Mag 7 fortzusetzen, insbesondere weil viele Sektoren, die bereits stark gestiegen sind – etwa der Energiesektor –, ebenfalls Rückschlagpotenzial haben", sagte Alonso Munoz, Chief Investment Officer bei Hamilton Capital Partners. "Diese Titel, die Mag 7, haben einen erheblichen Einfluss darauf, ob die Indizes steigen oder fallen."

Anleger setzen lieber auf Halbleiter
Nach Ansicht vieler Marktbeobachter hat sich das Anlegerinteresse innerhalb des KI-Sektors deutlich verschoben. Während Unternehmen wie Meta, Amazon oder Microsoft Milliarden in KI-Infrastruktur investieren, profitieren derzeit vor allem die Hersteller der benötigten Chips.

Einige der "Mag 7" finanzierten den Ausbau der KI-Infrastruktur, sagte Ken Mahoney, CEO von Mahoney Asset Management. "Der Markt ist nicht begeistert davon, dass sie so viel ihres freien Cashflows ausgeben, ohne den Ertrag dieser Investitionen zu kennen."

Morgan Stanley und Goldman sehen Chancen
Mehrere große Investmentbanken halten die Underperformance inzwischen für übertrieben. In den vergangenen zwei Wochen äußerten sich Strategen von Morgan Stanley, Goldman Sachs und JP Morgan entsprechend. Für Lisa Shalett, Chief Investment Officer bei Morgan Stanley Wealth Management, ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, die "Magnificent Seven" wieder stärker zu berücksichtigen. Halbleiteraktien seien inzwischen "deutlich überkauft". 

"Der Anstieg der aufgelaufenen Auftragsbestände und die zunehmende Preissetzungsmacht der Halbleiterhersteller und Speicherchip-Anbieter waren spektakulär, aber wir glauben nicht, dass dies nachhaltig ist", schrieb Shalett. "Das ist keine Aussage über das Ende des Zyklus, sondern ein Aufruf, wieder ein breiter diversifiziertes Engagement bei potenziellen Gewinnern des KI-Ausbaus aufzubauen und einige der Hyperscaler wieder stärker zu berücksichtigen."

Auch Goldman-Sachs-Partner Rich Privorotsky sieht Chancen. Er zeigt sich zwar äußerst optimistisch für künstliche Intelligenz, ist jedoch "deutlich weniger überzeugt", dass der Markt derzeit auf die richtigen Bereiche der Wertschöpfungskette setzt. Sobald die derzeitige Knappheit verschwinde, werde der Besitz von KI-Plattformen attraktiver.

Bewertung deutlich gesunken
Der schwache Kursverlauf hat die Bewertungen der "Magnificent Seven" deutlich reduziert. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis sank von 32,6 Ende Oktober auf 23,9. Der Bewertungsaufschlag gegenüber dem S&P 500 fiel laut "Bloomberg" zuletzt auf lediglich 2,4 Punkte und damit auf einen der niedrigsten Werte überhaupt.

Nicht alle Experten halten eine Erholung der "Magnificent Seven" allerdings für zwingend erforderlich. Sameer Samana vom Wells Fargo Investment Institute verweist darauf, dass der S&P 500 ohne die sieben Mega-Caps seit Jahresbeginn bereits deutlich zugelegt hat. Melissa Brown von Simcorp hält das durchschnittliche Jahresendziel für den S&P 500 grundsätzlich auch ohne die "Magnificent Seven" für erreichbar. Allerdings müssten die übrigen Indexmitglieder wegen ihres deutlich geringeren Gewichts entsprechend höhere Renditen erzielen. (mb/Bloomberg)