Anlageprofis sind überzeugt: Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), wird auf der heutigen Notenbanksitzung das Ende des Anleihekaufprogramms verkünden. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass der EZB-Rat bestätigen wird, dass die Nettokäufe im Rahmen des Quantitative-Easing-Programms in diesem Monat planmäßig enden", sagt Adrian Hilton, Leiter des Bereichs Globale Kurse und Währungen bei Columbia Threadneedle. Franck Dixmier, Anleihechef bei Allianz Global Investors, sieht das ähnlich: "Es besteht kein Zweifel daran, dass die EZB den Abschluss ihres Anleihenkaufprogramms ankündigen wird", sagt er.

Das planmäßige Ende des EZB-Kaufprogramms ist keine Selbstverständlichkeit. Der Konjunkturausblick für die Eurozone hat sich verschlechtert, politische Probleme schüren Unsicherheiten. Investmentexperten sehen die Notenbank deshalb vor einer schwierigen Aufgabe. Draghi muss heute die Finanzmärkte beruhigen, ohne auf externe Risikofaktoren zu verweisen, urteilt Axel Botte, Leiter des Bereichs Equity and Fixed Income Strategy bei Ostrum Asset Management. Denn solche Schuldzuweisungen könnten den Währungskrieg mit den USA wieder aufflammen lassen.

Inflation könnte sinken – oder steigen
Ein nicht minder heikles Thema für Draghi bleibt die Teuerungsrate. Die Kerninflation in der Eurozone dürfte im kommenden Jahr nicht bei den prognostizierten 1,5 Prozent liegen, sondern darunter, schätzt François Rimeu, Leiter der Multi-Asset-Sparte beim Fondsanbieter La Française. Die EZB könnte allerdings der Ansicht sein, dass die heutige Sitzung nicht der richtige Zeitpunkt ist, um ihre Inflationsprognose offiziell zu revidieren. Sie könnte diese Neubewertung auf März kommenden Jahres verschieben.

Columbia-Threadneedle-Experte Hilton geht ganz im Gegenteil davon aus, dass sich die Teuerung in der kommenden Zeit dem EZB-Ziel stärker annähert als bisher. "Obwohl das Wachstum schwach war, bleibt die Inflationsgeschichte der EZB wahrscheinlich haltbar. Denn die Löhne steigen so schnell wie seit der Finanzkrise nicht mehr", erklärt er. Auch Hilton geht allerdings davon aus, dass die Aufgabe der Notenbank zwischen Inflationsentwicklung und Konjunkturabschwächung in den kommenden Monaten nicht leicht sein wird. (fp)