Was tun nach extremen Börsentagen? Analyst gibt klaren Rat
An Tagen mit hohen Verlusten setzt bei vielen Investoren der Fluchtinstinkt ein: Schnell verkaufen, bevor es noch schlimmer wird! Andere nehmen nach überdurchschnittlich guten Börsentagen überhastet Gewinne mit. Beides ist in aller Regel keine gute Entscheidung, meint Pascal Kielkopf von HQ Trust.
Anleger sollten ihre Aktien nach Handelstagen mit außerordentlich hohen Verlusten oder Gewinnen nicht vorschnell verkaufen. Zu diesem Ergebnis kommt Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege des Multi-Family-Office HQ Trust.
Kielkopf betrachtete die Kursbewegungen des globalen Aktienindex MSCI ACWI nach Handelstagen, an denen die Tagesrendite des Index um mehr als zwei Standardabweichungen vom Durchschnitt abwich. Im konkreten Fall lag die Schwelle für einen solchen Extremtag bei einer Tagesbewegung von rund plus oder minus zwei Prozent. Die Analyse umfasst den Zeitraum seit Ende 1971 – Kielkopf untersuchte damit etwa 14.200 Handelstage.
Extremtage treten gerne gehäuft auf – oder gar nicht
"Seit Ende 1971 gab es immerhin 611 Extremtage", berichtet der Kapitalmarktstratege. "Allerdings verteilen sich diese nicht gleichmäßig über die Jahrzehnte, sondern konzentrieren sich auf bestimmte Phasen – sogenannte Volatilitätscluster."
Die meisten Extremtage, nämlich 61, gab es Kielkopf zufolge im Finanzkrisenjahr 2008. "Aber auch das Platzen der Dotcom-Blase zu Beginn der 2000er-Jahre und die Corona-Pandemie 2020 hinterließen deutlich erkennbare Ausschläge." Dazwischen liegen lange, vergleichsweise ruhige Phasen. "Mitte der 1990er-Jahre oder in den Jahren nach 2011 kam es nur sehr selten zu Extremtagen", so Kielkopf.
"Eher ein Kaufsignal"
Anschließend untersuchte der HQ-Trust-Marktspezialist, wie sich der MSCI ACWI nach positiven und negativen Extremtagen entwickelte. Sein Ergebnis: "Außergewöhnliche Börsentage waren historisch kein Warnsignal für die kommenden Monate. Im Gegenteil, in vielen Fällen wären sie sogar eher ein Kaufsignal gewesen."
Schaue man auf die Kursentwicklung nach drei, sechs und zwölf Monaten, legte der MSCI ACWI nach einem Extremtag im Schnitt stärker zu als an einem durchschnittlichen Handelstag. "Nach negativen Extremtagen zogen die Kurse dabei noch etwas stärker an", so Kielkopf. "Nach drei Monaten lag die durchschnittliche Rendite hier im Mittel bei 3,1 Prozent. Nach einem durchschnittlichen Handelstag waren es lediglich 2,3 Prozent."
Nicht auf einen vermeintlich günstigeren Zeitpunkt warten
Kielkopfs Fazit: "Wer nach einem schwachen Tag verkauft, verpasst häufig genau die Erholungsphase, die im Anschluss folgt. Nach guten Börsentagen folgen oft weitere gute Tage. Hier hätten Investoren zu früh verkauft." Man sollte mit dem Einstieg allerdings auch nicht auf den nächsten Extremtag warten, rät er. "Solche Tage sind selten. Wer bis dahin an der Seitenlinie steht, riskiert, mehr Rendite zu verpassen, als er durch einen vermeintlich günstigeren Einstieg gewinnt." (fp)














