Vor wenigen Wochen hatten UBS-Analysten ein Worst-Case-Szenario für Zahlungsausfälle im Private-Credit-Sektor skizziert. Inzwischen ist ihr Ausblick noch düsterer.

Strategen um Matthew Mish rechnen nun damit, dass die Ausfallraten im Bereich Private Credit auf bis zu 15 Prozent steigen könnten – zwei Prozentpunkte mehr als in einer Prognose, die das Institut vor weniger als einem Monat veröffentlicht hatte.

KI-Disruption als neuer Auslöser
In dem ersten Bericht war die UBS davon ausgegangen, dass direkte Kreditgeber bei einer "aggressiven" Disruption durch künstliche Intelligenz (KI) mit einer Ausfallquote von 13 Prozent bei Unternehmenskreditnehmern rechnen müssten. In den vergangenen Wochen habe sich diese Einschätzung jedoch weiter eingetrübt, da die Sorgen über eine mögliche Umwälzung der US-Wirtschaft durch KI zugenommen hätten.

"Neu ist ein klarerer Auslöser – eine rasche und schwerwiegende KI-Disruption", heißt es in dem am Dienstag (24.2.) veröffentlichten Bericht.

Marktturbulenzen verstärken Sorgen
Die Befürchtungen eines solchen Szenarios haben zuletzt zugenommen. Aktien gerieten zu Wochenbeginn unter Druck, nachdem ein Bericht von Citrini Research Investoren mit einem Szenario beunruhigt hatte, in dem Fortschritte bei KI die US-Arbeitslosenquote bis 2028 in den zweistelligen Bereich treiben könnten.

Nur wenige Tage zuvor hatte Blue Owl Capital Anleger daran gehindert, Mittel aus einem ihrer Private-Credit-Fonds abzuziehen. Das löste zusätzliche Sorgen über die von Direktkreditgebern vergebenen Darlehen – insbesondere an Softwareunternehmen – aus. "Das akuteste Risiko ist ein sektorspezifischer Schock, der eine Kaskade von Zahlungsausfällen auslöst", schrieben die UBS-Strategen. "Der Technologiesektor ist besonders anfällig für Disruptionen durch die Einführung von KI."

Belastungsanzeichen nehmen zu
Weiter heißt es: "Die Ausfallraten im Private-Credit-Bereich liegen Berichten zufolge zwischen drei und fünf Prozent, und Anzeichen von Belastungen – etwa Zinszahlungen in Form von Sachzinsen – nähern sich wieder den Höchstständen nach der Pandemie."

Auch für Leveraged Loans und Hochzinsanleihen sehen die Strategen steigende Risiken. In einem Worst-Case-Szenario rechnen sie mit Ausfallraten von bis zu sechs Prozent bei Leveraged Loans und bis zu zehn Prozent bei High-Yield-Anleihen. In der vorherigen Analyse hatten sie noch mit maximal vier beziehungsweise acht Prozent gerechnet. (mb/Bloomberg)