Die Arbeitnehmervertreter der Europäischen Zentralbank, die International and European Public Services Organisation (IPSO), fordern, dass die allgemeinen Gehaltsanpassungen für die Mitarbeiter der Notenbank in diesem Jahr aufgestockt werden. Die von der EZB vorgeschlagene Erhöhung von 1,3 Prozent "schützt unsere Gehälter nicht mehr vor der Inflation", schrieb die IPSO letzte Woche in einer E-Mail, die der Nachrichtenagentur "Bloomberg" vorliegt, an die Mitarbeiter.

"EZB ist nicht in der Lage, eigene Mitarbeiter vor Inflation zu schützen"
Während die EZB eine mittelfristige Inflationsrate von zwei Prozent anstrebt, dürften die Preise in Deutschland – wo die EZB ihren Sitz hat und viele ihrer Mitarbeiter leben – in diesem Monat um fast sechs Prozent steigen, warnte die Deutsche Bundesbank diese Woche. IPSO argumentiert, dass die Diskrepanz zwischen der vorgeschlagenen Gehaltserhöhung und den Lebenshaltungskosten zu einem dauerhaften Kaufkraftverlust für die Angestellten führt. "Selbst wenn der Anstieg der Inflation nur vorübergehend sein sollte – was wir alle hoffen –, haben wir keine Garantie, unsere Verluste wieder auszugleichen", heißt es in der E-Mail. "Die EZB ist nicht in der Lage (oder willens?), ihre eigenen Mitarbeiter gegen die Auswirkungen der Inflation zu schützen!"

IPSO plädiert für Indexierungsmechanismus
Die Mitarbeiter der EZB sind derzeit einer Methode zur Gehaltsanpassung unterworfen, die sich an der Lohnentwicklung bei den nationalen Zentralbanken und anderen europäischen Institutionen orientiert und nicht an dem Standort, an dem sie arbeiten. Dieses System wird angewandt, um "eine enge Verbindung der Gehaltsentwicklungen der nationalen Zentralbanken der Mitgliedstaaten, insbesondere innerhalb des Euroraums, zu ermöglichen", so ein EZB-Sprecher. IPSO, deren Forderungen am Dienstagabend erstmals von Politico veröffentlicht wurde, plädiert für einen Indexierungsmechanismus, der Lohnzuwächse an die Inflation in Deutschland oder im Euroraum koppelt. (mb)