Whatever it takes? Bessents Yen-Versprechen wackelt gewaltig
Die USA haben Japan bei der Stützung des Yen ungewöhnlich deutlich zur Seite gestanden. Doch die erneute Schwäche der Währung offenbart die Grenzen solcher Eingriffe – und könnte Washington schon bald vor die Frage stellen, wie weit die Unterstützung tatsächlich reicht.
US-Finanzminister Scott Bessent hat Japan weitreichende Unterstützung bei der Stabilisierung des Yen zugesagt. Doch am Markt wachsen Zweifel daran, wie groß der Spielraum der USA bei weiteren Devisenmarktinterventionen tatsächlich ist.
Der Yen verlor am Montag (10.8.) zeitweise ein Prozent und fiel auf mehr als 159 je US-Dollar. Damit büßte er rund die Hälfte der Gewinne wieder ein, die eine koordinierte Intervention der USA und Japans am 31. Juli ausgelöst hatte. Der erste gemeinsame Eingriff seit 1998 hatte den Yen zunächst bis in die Nähe von 155 je Dollar steigen lassen.
Nach der Aktion erklärte Bessent, die USA würden "alles Notwendige tun", um Japan auf eine Weise zu unterstützen, die zugleich der US-Wirtschaft und den amerikanischen Steuerzahlern helfe und die Weltwirtschaft stabilisiere.
US-Finanzministerium mit begrenzter Feuerkraft
Das Problem: Das wichtigste Instrument des US-Finanzministeriums für Währungsinterventionen, der "Exchange Stabilization Fund", verfügt über weniger als 220 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Japan dürfte allein am 30. Juli rund 53 Milliarden Dollar für Yen-Käufe ausgegeben haben.
"Die USA können durch koordinierte Interventionen mit Japan das Narrativ beeinflussen, aber sie können die Fundamentaldaten nicht umschreiben", sagte Nathan Thooft, Senior Portfolio Manager bei Manulife Investment Management. Die finanziellen Möglichkeiten der US-Behörden seien groß, "aber nicht unbegrenzt".
Anders sieht es bei der US-Notenbank aus. Die Federal Reserve könnte theoretisch unbegrenzt Dollar für Deviseninterventionen bereitstellen. Bei der jüngsten Aktion beschränkte sich ihre Rolle Medienberichten zufolge jedoch darauf, im Auftrag des Finanzministeriums Yen zu kaufen. Bei früheren gemeinsamen Interventionen hatte die Fed dagegen eigenes Kapital eingesetzt.
Yen bei 160 Dollar im Fokus
Der Druck auf Japan und die USA, erneut einzugreifen, könnte steigen, falls der Yen die Marke von 160 je Dollar überschreitet. Diese gilt als wichtige psychologische Schwelle. Bereits im Sommer 2024 intervenierten die japanischen Behörden, nachdem die Währung diese Marke durchbrochen hatte.
Ökonomen und Marktteilnehmer vermuten hinter Bessents Unterstützung auch Sorgen über mögliche Auswirkungen der Yen-Schwäche auf den US-Anleihemarkt. Verkäufe japanischer Staatsanleihen hatten zeitweise auf US-Treasuries ausgestrahlt. Sollte Japan zudem Dollar-Bestände abstoßen, könnten die US-Renditen weiter steigen.
Fundamentaldaten belasten den Yen
Die jüngste Entwicklung zeigt zugleich, wie begrenzt Interventionen die grundlegende Richtung des Yen verändern können. Belastend wirken vor allem die große Zinsdifferenz zwischen Japan und den USA, Sorgen über Japans Fiskalpolitik sowie geopolitische Unsicherheiten.
Der Leitzins der Bank of Japan liegt derzeit bei einem Prozent, während die Fed für ihren Schlüsselsatz eine Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent vorgibt.
Auch Goldman Sachs sieht die Ursachen der Yen-Schwäche in den Fundamentaldaten. Die Strategen erwarten, dass der Abwertungsdruck mit der Zeit zurückkehrt, sofern sich die globalen Rahmenbedingungen nicht verändern oder es zu einer überraschenden geldpolitischen Wende kommt. (mb/Bloomberg)














