Obwohl der US-Leitindex S&P 500 die Performance der 500 größten Unternehmen der USA abbildet, handelt es sich bei dem Index faktisch um ein globales Portfolio. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Ratingagentur Morningstar. "Diversifizierte Portfolios sind in der heutigen Welt unweigerlich global ausgerichtet, auch wenn sie lokale Investmentregionen abbilden", schreiben die Analysten. Der internationale Verkehr von Waren und Dienstleistungen habe bewirkt, dass Unternehmen mittlerweile weltweit tätig sind. Heute könne es sich kein Land leisten, der Weltwirtschaft den Rücken zuzukehren und eine Insel zu sein – das Gerede über Handelskriege hin oder her.

Die Wahrnehmung der meisten Anleger ist allerdings eine andere. In ihren Augen reflektieren Länderindizes noch immer lokale, allenfalls regionale Wirtschaftsstrukturen, schreiben die Analysten. Der deutsche Leitindex Dax beispielsweise gilt vielen Investoren als Spiegel der deutschen Wirtschaft. Das ist laut Morningstar jedoch nur sehr eingeschränkt der Fall. Gemäß einer Untersuchung der Unternehmensberatung EY erwirtschafteten die 30 Dax-Konzerne mehr als dreiviertel ihres Umsatzes außerhalb Deutschlands.

Anleger müssen auf die Umsatzquellen von Unternehmen achten
Auch in den USA hat sich die Bedeutung des Firmensitzes relativiert. Unternehmen im S&P 500- Index erwirtschaften mittlerweile rund 38 Prozent ihres Umsatzes außerhalb des Heimatlandes, davon entfallen 14 Prozent auf Europa und acht Prozent auf die Volksrepublik China, zeigt die Morningstar-Analyse.

Bei Wachstumsunternehmen geht es noch internationaler zu. Der Russell-1000-Growth-Index ist sogar zu rund 41 Prozent von Umsätzen außerhalb der USA abhängig. "Für Anleger wird es deshalb immer wichtiger, auf die Umsatzquellen von Unternehmen zu achten und nicht dem Ort des Börsen-Listings die größte Bedeutung beizumessen", so das Fazit der Analysten. (fp)