Zurückliegende Erfolge sind kein Garant für künftige Erträge, im Fall von Jim Chanos und seinem Leerverkaufs-Hedgefonds Kynikos Assiociates gilt das nur eingeschränkt. Der 62-jährige Investmentmanager sorgte zuletzt wieder für Schlagzeilen, weil er mit Short-Positionen auf Wirecard nach Informationen der "Financial Times" rund 100 Millionen US-Dollar verdient haben soll. Laut FT liegt der annualisierte Durchschnittsertrag seiner Strategie über die letzten 35 Jahre bei 22 Prozent.

Im Interview mit der britischen Zeitung erklärt Chanos, dass solche Erfolge nicht leicht verdient seien – vor allem bei Überfliegeraktien gehen dem finalen Erfolg meist wochen- oder monatelange "Schmerzphasen" voran, bevor ein Trade aufgehe. Derzeit erlebt Chanos eine solche Phase mit der Tesla-Aktie, für die er trotz der jüngsten Kursgewinne weiterhin einen Absturz erwartet. Chanos betont in Interviews wiederholt, dass sein Ansatz nicht als direktionale Strategie angeboten werde, die immer short sei, sondern ein Angebot an Investoren darstelle, die eine Absicherung ihres grundsätzlich auf langfristig steigende Kurse setzendes Portfolio wünschen.

Schon im April bestätigte der Hedgefondsmanager im Gespräch mit CNBC, dass es aktuell schwierig sei, short zu sein. Vielfach beobachte er Unternehmen, die schon 2019 nichts verdient hätten, im laufenden Jahr auch nichts und voraussichtlich auch 2021 kein Geld verdienen würden – ohne dass dies Auswirkungen auf ihre Kurse habe. Chanos hält das aktuelle Börsenumfeld, das von Euphorie bzw. der Angst vieler Anleger, etwas zu verpassen, geprägt sei, für gefährlich. Gegenüber der FT meint der Fondsmanager: "Dieser Markt entwickelt sich zu einer der besten Chancen aller Zeiten für Leerverkäufer. Ich weiß zwar nicht, wann die Probleme auftreten werden, aber sie werden auftreten." (gf)