Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland rechnet für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent und für 2019 von 1,5 Prozent. Das ist dem Jahresgutachten der fünf "Wirtschaftsweisen“ zu entnehmen. Zum Vergleich: Im Frühjahr erwartete der Rat noch 2,3 Prozent für dieses und 1,8 Prozent für das kommende Jahr.

Die fünf Wirtschaftsweisen üben in ihrem Bericht darüber hinaus Kritik an der Bundesregierung. Vor dem Hintergrund eines drohenden Brexit, eines schwelenden Handelskriegs sowie des demografischen Wandels agiere die Große Koalition bei ihrer Wirtschaftspolitik zu zögerlich. Daher fordern die Weisen die Regierung auf, endlich die "richtigen wirtschaftspolitischen Weichenstellungen“ vorzunehmen. Auch der ungeliebte "Soli" soll ersatzlos gestrichen werden. Die von der Großen Koalition bisher geplante Freigrenze, wonach die ursprünglich zur Finanzierung der Deutschen Einheit geplante Extraabgabe ab 2021 nur für Steuerpflichtige mit einem zu versteuernden Einkommen unterhalb von rund 55 000 Euro im Jahr entfallen soll, setze falsche Anreize, so der Rat.

Laut dem Gutachten gehe die Regierung die notwendigen Reformen nicht beherzt genug an und bewege sich in wesentlichen Bereichen, beispielsweise der Rentenpolitik, in die falsche Richtung. Auch die durch die Digitalisierung möglichen Chancen würden zu wenig genutzt. Dafür neige die Regierung dazu, in die Wirtschaft einzugreifen. "Von einer lenkenden Industriepolitik sollte sie Abstand nehmen“, wird im Gutachten geraten. (aa/ps)