Wirtschaftsweiser Felbermayr warnt vor globaler Staatsschuldenkrise
Die Renditen langlaufender Staatsanleihen sind stark gestiegen. In den USA ist die Fünf-Prozent-Marke geknackt. Ökonom Gabriel Felbermayr sieht darin Anzeichen einer drohenden Destabilisierung der globalen Anleihemärkte. Andere Experten halten dagegen.
Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo), warnt davor, dass sich Staaten in einem Maße verschulden, das die Stabilität der weltweiten Anleihemärkte bedroht. "Die Gefahr einer größeren globalen Staatsschuldenkrise ist aktuell sehr hoch", zitiert die "Börsen-Zeitung" den Experten, der als "Wirtschaftsweiser" auch die deutsche Bundesregierung berät.
Ein länger anhaltender Iran-Krieg löst Teufelskreis aus
Der zunehmende Verschuldungsgrad treibe auch die Kosten nach oben, ergänzt Felbermayr. In den führenden Wirtschaftsnationen USA, Japan und auch in Deutschland erreichten die Renditen langlaufender Staatsanleihen neue Höchststände. In der Folge würden auch die Fremdkapitalkosten der gesamten Wirtschaft steigen, was wiederum der Konjunktur schade, so der Ökonom gegenüber der "Börsen Zeitung".
Ein noch länger anhaltender Iran-Krieg würde die Energiepreise und damit die Inflation hochhalten, und die Europäische Zentralbank müsste mit einer Leitzinsanhebung versuchen, gegenzusteuern, veranschaulicht der Volkswirt den drohenden Teufelskreis. Der gesamte Bruttoauslandsschuldenstand der USA mache mittlerweile etwa 200 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung aus, erläutert Felbermayr gegenüber der "Börsen-Zeitung": "Es gibt keine Anzeichen auf Verbesserung dieser Situation, ganz im Gegenteil."
Paul Krugman sieht die Ursache in einem Nachfrage-Engpass
Der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman hält in einem Blogbeitrag dagegen: Die deutlich gestiegenen langfristigen Zinsen auf Staatsanleihen in den USA und anderen Industrieländern würden zwar ihre Wirtschaft belasten, aber keine Alarmstimmung über eine unmittelbar bevorstehende Staatsschuldenkrise rechtfertigen.
Die Ursache für steigende Zinsen auf US-Bonds sieht er weniger in wachsenden Bonitätszweifeln der Geldgeber als vielmehr darin, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Kreditmitteln das verfügbare Angebot übersteigen würden. Als wesentliche Treiber nennt Krugman den hohen Kapitalbedarf für den KI-Ausbau sowie das große amerikanische Haushaltsdefizit. Die KI-Industrie und der Staat gerieten in einen Überbietungswettbewerb. Solange sich die USA aber in ihrer eigenen Währung verschulden würden, sieht Krugman zwar ernst zu nehmende Probleme, die künftige Regierungen angehen müssten, aber noch keine drohende Schuldenkrise. (tw)
Gabriel Felbermayr ist Keynote-Speaker auf dem FONDS professionell Investmentforum Sachwerte am 22. September in Frankfurt. Dort wird er argumentieren, dass neue Schulden durchaus sinnvoll sein könnten, sofern sie produktiv eingesetzt würden: "Eine Verschuldung muss das Volksvermögen vermehren", betont Felbermayr. Seien Sie dabei, melden Sie sich noch heute an und diskutieren Sie mit Experten.
















