Häuslebauer und Investoren in Wohnimmobilien wurden in den vergangenen Monaten mit diversen Kostensteigerungen konfrontiert. Baumaterialien sind genauso Mangelware geworden wie Fachkräfte, sie zu verarbeiten, Energiepreise sind in die Höhe geschnellt, und die Kosten für Immobilienkredite haben sich seit Beginn des Jahres verdreifacht.

"Kurzum, nach 13 Jahren Boom kippte die gute Stimmung abrupt und wurde von einer Phase exorbitant hoher Unsicherheit abgelöst", bringt Jochen Möbert, Researcher bei der Deutschen Bank, die Sache auf den Punkt. Einige Investoren werteten das als Verkaufssignal und realisierten Gewinne. Zwischen Februar und Juni 2022 führte das zu einem Rückgang der Preise für Wohneigentum von mehr als zwei Prozent, beschreibt die Deutsche Bank die Entwicklung mit Bezug auf Daten des Immobilienkonzerns Hypoport.

Angebotsknappheit und hohe Inflation schaffen kreditnehmerfreundliches Umfeld
Längerfristig betrachtet dürften Hauspreise aber weiterhin steigen, schätzt die Deutsche Bank. Denn der Rückgang der Bautätigkeit werde das künftige Angebot an Wohnraum reduzieren und die ohnehin schon nicht zu befriedigende Nachfrage werde durch Flüchtlinge aus der Ukraine und Zuwanderer aus anderen Ländern noch gesteigert. "Unseren Berechnungen nach wird die fundamentale Angebotsknappheit erst im Jahr 2025 abgebaut sein", sagt Möbert.

Außerdem würde bei anhaltender Inflation die reale Kreditbelastung sinken. Denn private Wohnungsfinanzierer hätten die Aussicht, über Lohnsteigerungen einen Inflationsausgleich darstellen zu können, Investoren über indexierte Mieten. Liegt die Inflation dauerhaft oberhalb des Zinses für Kredite, dann werden die Preise für Wohnimmobilien weiterhin steigen. (tw)