Yen-Stützung: Japan greift offenbar tief ins Treasury-Depot
Tokio setzte fast 100 Milliarden Dollar ein, um den Yen zu stabilisieren. Der starke Rückgang der japanischen Wertpapierreserven legt nahe, dass dafür auch US-Staatsanleihen verkauft wurden – ein sensibles Thema für Washington.
Japan hat seine Bestände an ausländischen Wertpapieren im August so stark reduziert wie nie zuvor. Analysten gehen davon aus, dass Tokio dabei auch kurzlaufende US-Staatsanleihen verkauft hat, um die jüngsten Rekordinterventionen zugunsten des Yen zu finanzieren. Das japanische Finanzministerium bestätigte Verkäufe von Treasuries allerdings nicht.
Nach den am Montag (7.9.) veröffentlichten Reservedaten sank der Wert der ausländischen Wertpapierbestände Ende August gegenüber dem Vormonat um 87,8 Milliarden US-Dollar. Der Rückgang entspricht annähernd dem Umfang der jüngsten Devisenmarktinterventionen. Dafür hatten die Behörden im Monat bis zum 26. August umgerechnet 15,4 Billionen Yen oder 98,6 Milliarden Dollar eingesetzt – ebenfalls ein Rekord.
Ein Vertreter des Finanzministeriums erklärte lediglich, die Interventionen hätten zum Rückgang der Währungsreserven beigetragen. Welche Wertpapiere verkauft wurden, geht aus den Daten nicht hervor.
Analysten vermuten Verkäufe kurzer Laufzeiten
Nach Einschätzung von Atsushi Takeda, Chefökonom des Itochu Research Institute, dürfte Japan sowohl ausländische Wertpapiere als auch Einlagen genutzt, höchstwahrscheinlich aber US-Treasuries verkauft haben. Marktteilnehmer schätzen, dass etwa 70 Prozent der japanischen Devisenreserven in US-Staatsanleihen investiert sind.
Die Verkäufe dürften sich auf Laufzeiten von höchstens fünf Jahren konzentriert haben. Prashant Newnaha, Zinsstratege für den asiatisch-pazifischen Raum bei TD Securities, verweist auf die höhere Liquidität dieser Papiere. Verkäufe von Treasuries mit Laufzeiten ab zehn Jahren hält er wegen des möglichen Aufwärtsdrucks auf die langfristigen Renditen für unwahrscheinlich.
Auch Gareth Berry von der Macquarie Group sieht kurzlaufende Treasuries als bevorzugte Finanzierungsquelle. Verkäufe am kurzen Ende seien für die USA vermutlich leichter hinnehmbar, da Washington vor allem die Entwicklung der langfristigen Renditen beobachte.
Washington blickt auf den Treasury-Markt
Weitere Treasury-Verkäufe könnten dennoch zu Spannungen führen. US-Finanzminister Scott Bessent richtet seine Aufmerksamkeit zunehmend auf die Stabilität des Anleihemarktes. Zuletzt kündigte er an, das Volumen der Rückkäufe länger laufender Staatspapiere bis zum 4. November für zwei Monate zu verdoppeln.
Gleichzeitig unterstützt Washington grundsätzlich den Kampf gegen die Yen-Schwäche. Am 31. Juli intervenierten die USA und Japan erstmals seit 1998 gemeinsam am Devisenmarkt. Bessent hatte mehrfach erklärt, der Yen sei zu schwach.
Zinserhöhung könnte Yen zusätzlich stützen
Seit der vergangenen Woche hat sich die japanische Währung erholt. Der Yen stieg von rund 160,39 je Dollar am Mittwoch (2.9.) zeitweise auf 155,30 am Freitag (4.9.). Am Montag (7.9.) notierte er im asiatischen Handel bei etwa 155,96 je Dollar. Dies spricht vorerst gegen eine weitere Intervention.
Die Märkte preisen inzwischen eine Zinserhöhung der Bank of Japan im September vollständig ein. Einige Anleger rechnen angesichts der zuletzt restriktiveren Signale sogar mit einer schnelleren Straffung der Geldpolitik. Auch dies könnte den Yen stützen.
Japans Fremdwährungsreserven sanken Ende August insgesamt um 94,6 Milliarden auf 995 Milliarden Dollar. Damit verfügen die Behörden weiterhin über erhebliche Mittel für weitere Interventionen. Zusätzlich könnte Japan die FIMA-Repo-Fazilität der US-Notenbank nutzen. Sie ermöglicht den Zugriff auf bis zu 60 Milliarden Dollar pro Tag, ohne Treasuries verkaufen zu müssen. Bislang hat Japan dieses Instrument jedoch noch nie eingesetzt. (mb/Bloomberg)













