"Mögen hätten wir schon gewollt, aber dürfen haben wir uns nicht getraut", lautet eines der berühmtesten Zitate des Humoristen Karl Valentin. So ähnlich verhält es sich beim Thema "grüne Geldanlage": In einschlägigen Umfragen bekunden Antwort gebende Anleger zwar regelmäßig mehrheitlich, beim Investieren auf nachhaltige Aspekte gesteigerten Wert zu legen. Doch mit der Umsetzung dieses Gedankens hapert es noch, wie die aktuelle Neuauflage einer Erhebung der Verbraucherzentrale Bremen von 2013 zeigt.

Demnach besitzt die Mehrheit der Befragten noch keine nachhaltige Geldanlagen. Allerdings ist der Anteil derer, die ihr Geld so anlegen, gegenüber 2013 deutlich von fünf auf 22 Prozent gestiegen. Die Hälfte derjenigen, die noch keine nachhaltige Geldanlagen besitzen, äußert generelles Interesse an dieser Anlagemöglichkeit – ebenfalls eine deutliche Steigerung gegenüber 2013. Darunter sind die 18- bis 29-Jährigen am meisten interessiert.

"Verlagerung hin zu den ökologischen Themen"
Kern der Befragung ist, welche Branchen und Verhaltensweisen von Unternehmen für nachhaltige Geldanlagen ausgeschlossen oder aber gezielt ausgewählt werden sollten. Sowohl in 2013 als auch in 2022 nannten die Befragten den Ausschluss von Waffen- und Rüstungsgütern, ausbeuterische Kinderarbeit sowie den Wunsch nach guten Arbeitsbedingungen an erster Stelle. "Interessant ist, dass es eine Verlagerung hin zu den ökologischen Themen gibt", sagt Anke Behn, Expertin für nachhaltige Geldanlagen bei der Verbraucherzentrale Bremen. Die gesellschaftlichen und sozialen Themen rücken 2022 etwas in den Hintergrund. So wird bei den Erwartungen an gezielte Investitionen das Hauptthema aus 2013, die Armutsbekämpfung, bei der aktuellen Befragung von den Erneuerbaren Energien abgelöst.

"Abzuwarten bleibt, wie sich das weiterentwickelt. Ob sich zum Beispiel der Krieg gegen die Ukraine und die dadurch ausgelöste Sicherheits- und Energiedebatte auf das Verständnis von Nachhaltigkeit und somit auf die Kriterien von nachhaltigen Geldanlagen weiter auswirkt", meint Behn. Die Befragung fand vom 24. Januar bis 4. Februar 2022 statt, also vor Ausbruch des russischen Angriffskrieges.

In unserer Fotostrecke oben finden Sie die wichtigsten Ergebnisse der Befragung in grafischer Form aufbereitet. (mb/ps)