Europas Währungshüter schließen nicht aus, den Negativzins noch weiter zu senken. "Wir glauben nicht, dass wir uns an der Untergrenze befinden", sagte der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Philip Lane, in einem am Montag (23. November) von der Notenbank veröffentlichten Interview mit der französischen Zeitung "Les Echos". Darüber berichtet die "Deutsche Presse-Agentur" (dpa). "Wir glauben, dass es in Zukunft Raum für weitere Kürzungen gibt", erklärte Lane.

Bereits seit Mitte Juni 2014 fallen für Geschäftsbanken Zinsen an, wenn sie Geld bei der EZB parken. Der Einlagenzins beläuft sich derzeit auf minus 0,5 Prozent. Zwar gibt es mittlerweile Freibeträge für bestimmte Summen, dennoch sieht die Branche die Einlagenfazilität, wie der Zins in der Fachsprache heißt, als Milliardenbelastung. Der Leitzins im Euroraum befindet sich auf dem Rekordtief von null Prozent.

Über effektivste Instrumente entscheiden
"Wir müssen uns jedoch entscheiden, welche Instrumente derzeit am effektivsten sind", sagte Lane der dpa zufolge. Als besonders wirkungsvoll haben sich nach Einschätzung der Währungshüter in der Corona-Krise das milliardenschwere Notkaufprogramm für Wertpapiere (Pandemic Emergency Purchase Programme/PEPP) sowie besonders günstige Langfristkredite für Geschäftsbanken (TLTRO) erwiesen.

Aufgrund der Verschärfung der Pandemie bereite die Notenbank weitere Notfallmaßnahmen vor, schreibt die dpa. Für die kommende Sitzung des EZB-Rates am 10. Dezember sei eine "gründliche Neubeurteilung" der Lage angekündigt.

Anleihenkaufprogramm bis mindestens Ende Juni 2021
Das Anleihenkaufprogramm PEPP hat derzeit ein Volumen von 1,35 Billionen Euro und soll nach bisheriger Planung bis mindestens Ende Juni 2021 laufen. "Wir werden das Programm nicht beenden, bevor bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Zunächst einmal darf die Pandemie die normale Wirtschaftstätigkeit nicht länger beeinträchtigen", bekräftigte Lane. Es seien auch andere Bedingungen in Bezug auf die wirtschaftliche Erholung und die Inflationsdynamik erfüllen. Dafür sei es aber noch zu früh. (am)