Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Chef der Zentralbank, Naci Agbal, nach nur wenigen Monaten im Amt entlassen. Sein Nachfolger wird Sahap Kavcioglu, ein Ex-Abgeordneter der Regierungspartei AKP. Das gab Erdogan laut Medienberichten im Amtsblatt bekannt. Eine Begründung nannte er nicht. 

Hintergrund dürfte aber die Erhöhung des Leitzinses von 17 auf 19 Prozent sein, die Agbal erst vor wenigen Tagen durchgedrückt hatte. Der Notenbankchef wollte damit die galoppierende Teuerung in den Griff bekommen. Im Februar stieg die jährliche Inflationsrate in der Türkei auf mehr als 15 Prozent, vor allem Grundnahrungsmittel verteuerten sich drastisch. Agbal kündigte daher an, auch weiterhin restriktiv vorgehen zu wollen. 

Türkische Lira stürzt ab
Erdogan gilt dagegen als Freund niedriger Zinsen und bezeichnete den Leitzins oft als "Mutter allen Übels". Stattdessen setzt er im Kampf gegen die Inflation auf weitreichende Wirtschaftsreformen. In der vergangenen Woche versprach der Präsident etwa Steuerbefreiungen und billige Kredite für kleine Unternehmen, die besonders stark von der Pandemie betroffen sind. "Wir werden das Wachstumspotenzial erhöhen", kündigte Erdogan an.

Die türkische Lira stürzte nach Bekanntgabe der Absetzung des Notenbankchefs ab, berichtet das "Handelsblatt". Am Montagmorgen (22. März) lag der Kurs zeitweise bei 8,13 Lira pro US-Dollar. Am vergangenen Freitag stand die Währung noch bei 7,22 Lira pro US-Dollar. Analysten fürchten nun, dass die Türkei scharfe Gegenmaßnahmen zur Stabilisierung ergreifen wird. (fp)