Seit Jahren hält die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer Niedrigzinspolitik fest. Das ärgert Banken und Sparer – zum einen, weil Verbraucher ihr Vermögen nicht mehr einfach über den Zins auf ihrem Spar- oder Girokonto wachsen lassen können. Zum anderen, weil Banken der EZB einen Einlagezins von minus 0,5 Prozent zahlen müssen, wenn sie ihre Mittel dort parken. Diesen Negativzins reichen viele Geldhäuser mittlerweile auch an ihre Kunden weiter. Auch aus diesem Grund entscheiden sich einige, ihr Geld über Zinsplattformen wie "Weltsparen" oder "Zinspilot" bei Instituten aus dem europäischen Ausland zu parken. Das ist allerdings nicht ohne Risiko: So spielten die Zinsplattformen etwa eine zentrale Rolle in der Vermittlung der Kundengelder an die Greensill Bank, der deutschen Tochter des australischen Lieferkettenfinanzierers Greensill. 

Die Bundesregierung nimmt die Zinsplattformen deshalb genauer ins Visier. Auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Frank Schäffler antwortete die Staatssekretärin im Finanzministerium, Sarah Ryglewski, laut der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ): "Als Folge der aktuellen Ereignisse prüft die Bundesregierung, ob eine stärkere Regulierung der Plattformen erforderlich ist." Dabei wären ihren Angaben zufolge Änderungen auch auf europäischer Ebene zu prüfen. 

Die Parteien sind geteilter Meinung, was die Zinsplattformen angeht. Fabio De Masi von der Linkspartei sprach sich gegenüber der FAZ für härtere Vorgaben für Einlagenvermittler aus, die Grünen-Abgeordnete Lisa Paus sah in erster Linie die Finanzaufsicht in der Pflicht. Auch die Bafin befasse sich mit der Frage, ob eine Anpassung der aufsichtsrechlichen Vorgaben erforderlich sei, heißt es derweil aus dem Finanzministerium. 

Verantwortung der Aufsicht
Tamaz Georgadze, Gründer und Chef von Raisin, der Firma hinter "Weltsparen", wehrte sich vor Wochen im Gespräch mit dem Branchendienst "Finanz-Szene.de" gegen die Kritik an der Zinsplattform. Die Greensill-Bank sei laut Georgadze mit rund 500 Millionen Euro Eigenkapital gemessen am Einlagenvolumen und dem Risiko sehr gut kapitalisiert gewesen und habe profitabel gearbeitet. Es sei nicht die Aufgabe der Zinsportale, die Bücher und Bilanzen zu prüfen: "Das ist Aufgabe der Aufsicht und der Wirtschaftsprüfer. Wie soll eine umfangreiche Prüfung von unserer Seite denn in der Praxis funktionieren? Dafür fehlen uns natürlicherweise die Mittel und Instrumente." (fp)