Zinsstopp wegen "Preisschock"? Fed blickt nervös auf den Nahen Osten
US-Notenbanker warnen vor steigenden Inflationsrisiken durch den Iran-Krieg – während Präsident Donald Trump die Frist gegenüber Teheran erneut verlängert.
Mit Blick auf den Iran-Krieg und seine Folgen im Nahen Osten haben am Donnerstag (26.3.) drei US-Notenbanker wachsende Besorgnis über den wirtschaftlichen Ausblick der USA geäußert.
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor sein Ultimatum an den Iran erneut verschoben und zugleich erklärt, die Gespräche verliefen "sehr gut". Gleichzeitig verlängerte er die Aussetzung möglicher Angriffe auf iranische Energieanlagen um weitere zehn Tage, bekräftigte jedoch einen Zeitrahmen von vier bis sechs Wochen für Militärmaßnahmen.
"Ich würde argumentieren, dass das Inflationsrisiko derzeit infolge des Iran-Kriegs größer ist", sagte Fed-Gouverneurin Lisa Cook am Donnerstag nach einer Rede in New Haven im Bundesstaat Connecticut. "Was den Arbeitsmarkt betrifft, so halte ich ihn für ausgeglichen, wenn auch auf wackeligen Beinen."
Zinspause zur Bewertung der Lage
Cook machte keine Angaben dazu, wie die Geldpolitik reagieren sollte. Zwei ihrer Kollegen, die ebenfalls am Donnerstag sprachen, plädierten jedoch dafür, die Zinsen vorerst unverändert zu lassen, um die Auswirkungen des Kriegs auf Inflation und Wachstum zu bewerten.
"Es ist sinnvoll, sich etwas Zeit zu nehmen, um die Lage zu beurteilen", sagte Fed-Gouverneur Michael Barr bei einer Veranstaltung in Washington. "Dank unseres derzeitigen geldpolitischen Kurses sind wir gut aufgestellt, um abzuwarten und die neuen Daten zu bewerten."
Sorge vor länger anhaltendem Preisdruck
Barr betonte, dass er bereits vor dem durch den Krieg ausgelösten Anstieg der Energiepreise besorgt gewesen sei, dass die Auswirkungen von Zöllen auf die Inflation über dieses Jahr hinaus anhalten könnten.
Sollte der Krieg länger andauern, "könnte der Anstieg der Energiepreise und anderer Rohstoffe breitere Auswirkungen auf Preise und wirtschaftliche Aktivität haben", führte er aus. "Ich bin besonders besorgt, dass ein weiterer Preisschock die längerfristigen Inflationserwartungen erhöhen könnte."
Auch Fed-Vizechef Philip Jefferson erklärte, die Dauer des Konflikts und dessen Einfluss auf die Energiepreise seien entscheidend. "Eine längere Phase erhöhter Energiepreise könnte den Preisdruck bei einer Vielzahl anderer Produkte nach oben treiben", sagte er. "Als Entscheidungsträger werde ich beobachten, ob sich diese höheren Kosten in den Preisen der gesamten Wirtschaft verankern."
Unsicherheit bleibt hoch
Die US-Notenbank hatte bei ihrer Sitzung am 17. und 18. März die Leitzinsen unverändert gelassen und auf die durch den Krieg im Nahen Osten erhöhte Unsicherheit hingewiesen. Sie versucht, eine Inflation, die im Januar etwa einen Prozentpunkt über ihrem Zwei-Prozent-Ziel lag und infolge steigender Ölpreise weiter zunehmen dürfte, mit einem Arbeitsmarkt auszubalancieren, der auf Jahressicht nur sehr geringe Neueinstellungen verzeichnete.
Cook sagte, Zölle hätten die Inflation bereits vom Ziel der Notenbank entfernt – und die Lage im Nahen Osten könne ebenfalls erhebliche Auswirkungen haben. "Wir könnten uns damit viel länger beschäftigen, als wir erwartet haben", sagte sie. "Deshalb hat sich die Risikobalance derzeit stärker in Richtung Inflation verschoben."
Inflationsziel weiter im Blick
Fed-Gouverneur Stephen Miran erklärte bei einer Veranstaltung in Miami, er gehe weiterhin davon aus, dass sich die zugrunde liegende Inflation in den kommenden zwölf Monaten in Richtung zwei Prozent entwickle. Zudem sagte er, die Notenbank könne ihre Bilanz möglicherweise um ein bis zwei Billionen Dollar verkleinern, warnte jedoch, dass dafür zahlreiche begleitende Maßnahmen erforderlich seien und der Prozess Jahre dauern könne. (mb/Bloomberg)













