Die Infektionszahlen in Europa steigen von Tag zu Tag, immer mehr Länder verhängen mehr oder minder strenge Lockdowns. Die zweite Viruswelle bereitet vielen Menschen Kopfzerbrechen, allen voran Gastronomen und Hotelbesitzern. Doch auch die Finanzwelt fängt an, unruhig zu werden. "Banken können auf das Beste hoffen, sollten sich aber auf das Schlimmste vorbereiten", sagte Andrea Enria, Chefbankenhauseher der Europäischen Zentralbank (EZB) gegenüber den belgischen Zeitungen "De Tijd" und "L'Echo". 

Es ist immer noch unklar, welchen Kurs die Konjunktur in den nächsten Monaten einschlagen wird. Europäische Geldhäuser sollten sich deshalb auf mögliche schwere wirtschaftliche Folgen der zweiten Welle einstellen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).  Das Kreditrisiko sei sehr hoch und die Vermögenswerte verschlechterten sich, warnt Enria. Wann sich dies in den Bankbilanzen zeige und wie schwerwiegend das Problem sein werde, lasse sich nicht vorhersagen. "Wir müssen uns auf die Auswirkung gefasst machen und unser Bestes tun, um das System durch diese schwierige Zeit zu steuern", sagt Enria. 

Faule Kredite nehmen zu
Vor allem ein Anstieg der faulen Kredite, der sogenannten "Non-Performing-Loans" (NPL), in den Bankbilanzen könne zu einem Problem werden. "Falls sich unsere negativsten Schätzungen bewahrheiten, werden Banken einen erheblichen Umfang an NPLs in ihren Büchern haben", prognostiziert Enria. In manchen Fällen könne dies sogar bedeuten, dass sie keine Kredite mehr ausreichen können und die Erholung Wirtschaft nicht mehr unterstützen, warnt der Aufseher laut FAZ. (fp)