Die Zahl lässt aufhorchen: Jeder zweite bis dritte Finanzanlagenvermittler mit Erlaubnis nach Paragraf 34f Gewerbeordnung reicht bei seiner zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) eine Negativerklärung ein. Dies zeigt eine exklusive Umfrage von FONDS professionell ONLINE. Rechnet man diese Quote auf den Gesamtmarkt von fast 38.000 Gewerbetreibenden mit entsprechender Erlaubnis hoch, geht es um etwa 15.000 Vermittler, die kein Neugeschäft mehr machen.

Sollte künftig die Bafin für die Aufsicht über diese Berater zuständig sein, werden sie sich ganz schnell komplett vom Markt verabschieden. Die Negativerklärung bei der IHK kostet sie fast nichts, der Bafin dagegen müssten sie trotzdem rund 1.000 Euro im Jahr bezahlen – vielleicht auch deutlich mehr. Das lohnt sich in aller Regel nicht mehr.

Keine volle Provision ohne 34f
Das führt zu der eigentlich interessanten Frage: Warum behält ein Vermittler seine 34f-Erlaubnis, wenn er ohnehin keine Anlageberatung oder -vermittlung mehr anbietet? Einige geben für das zurückliegende Jahr eine Negativerklärung ab, weil sie vielleicht krank waren oder das Investmentgeschäft für ihre Kunden in den vergangenen zwölf Monaten ausnahmsweise tatsächlich keine Rolle gespielt hat. Sie möchten sich die Option offenhalten, in Zukunft wieder in die Fondsvermittlung einzusteigen.

Doch das dürften die wenigsten sein. Die meisten behalten ihre 34f-Lizenz wohl aus einem ganz anderen Grund: Sie machen zwar kein Neugeschäft mehr, möchten aber weiterhin die volle Vertriebsfolgeprovision für ihre Fondsbestände vereinnahmen.

Die meisten Maklerpools zahlen Vermittlern ohne 34f-Erlaubnis nur noch einen Teil der Bestandsprovision aus, einige auch gar nichts. Die Möglichkeit, eine Negativerklärung einzureichen, ist für viele Vermittler an der Schwelle zum Ruhestand eine elegante Lösung, sich einerseits die 34f-Bürokratie zu sparen, andererseits aber laufende Einnahmen aus ihrem Investmentbestand zu generieren – im Schnitt dürften das 0,3 bis 0,5 Prozent des Fondsvolumens sein. Das reicht in den seltensten Fällen zum Überleben, ist aber ein netter Zuverdienst.

Die Marktbereinigung hat längst stattgefunden
Übernimmt bald die Bafin die Aufsicht – ein Vorhaben, das jüngst wieder ins Wanken geriet – ist die Zeit der kostenlosen Negativerklärung vorbei. Die Behörde soll außerdem die Möglichkeit erhalten, einem Vermittler, der über längere Zeit kein Neugeschäft getätigt hat, die Lizenz zu entziehen. Die betroffenen Finanzberater müssten ihren Investmentbestand also an einen aktiven Kollegen weiterreichen oder durch den Maklerpool betreuen lassen. Für den einzelnen Vermittler kann das schmerzhaft sein, weil er nicht mehr die volle Bestandsprovision erhält. Zum Nachteil der Kunden wäre das allerdings nicht, denn sie hätten wieder die Chance, tatsächlich betreut zu werden.

Die Schätzungen aus der Branche, wonach sich die Zahl der Fondsvermittler durch die Bafin-Aufsicht halbieren dürfte, sind somit plausibel. Dabei handelt es sich allerdings nicht wirklich um eine Marktbereinigung. Denn die Finanzberater, die heute ein relevantes Investmentgeschäft tätigen, werden das auch unter der Bafin tun. In Wahrheit hat die Marktbereinigung längst stattgefunden. Die Bafin-Aufsicht macht sie nur sichtbar.