Bestandsprovision bei ETFs: Begehrlichkeiten geweckt
FONDS professionell-Redakteur Sebastian Ertinger zum Versuch einiger Vertriebe, ETF-Anbieter zu volumenabhängigen Zahlungen zu verpflichten.
ETFs bestechen durch Einfachheit, Transparenz und vor allem geringe Kosten. Die Vorteile rühren daher, dass diese Vehikel bislang überwiegend schlicht Börsenbarometer wie Dax, Euro Stoxx 50 oder MSCI World abbilden und in aller Regel keine Bestandsprovision an die Vertriebsstellen zahlen – anders als herkömmliche Investmentfonds. Dieses simple Rezept bescherte ETFs einen sagenhaften Boom. Doch der Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Und manche Akteure rütteln an den Grundprinzipien der börsengehandelten Fonds.
So fordern offenbar insbesondere Neobroker von den Asset Managern eine Art Bestandsprovision, wie Recherchen von FONDS professionell ONLINE gezeigt haben. Das Geschäftsmodell der Broker, die Privatkunden Depots und Trading zu Billigstkonditionen versprechen, steht unter Druck. Sie suchen neue Ertragsquellen. Eine Vergütung auf den ETF-Bestand der Endkunden erscheint da attraktiv. Immerhin verspricht dieser Weg regelmäßige Einnahmen – und nicht nur einmalige wie beim Kauf und Verkauf der ETF-Anteile.
Geringer Spielraum
Einige ETF-Anbieter wehren solche Forderungen offenbar ab – bisher. Kein Wunder: Bei vielen Indexfolgern fallen lediglich jährliche Verwaltungsvergütungen im einstelligen Basispunkt-Bereich an. Für Bestandsprovisionen ist da kaum Luft. Das Aufkommen von sogenannten aktiven ETFs könnte solchen Spielraum schaffen. Diese folgen nicht einfach nur einem Index, sondern weisen Elemente des aktiven Managements auf – und kommen mit höheren Verwaltungsgebühren daher, aus denen sich eine Bestandsprovision wohl eher stemmen ließe.
Zudem eröffnet sich für manche der zahlreichen Neueinsteiger, die derzeit ins ETF-Geschäft drängen, eine verlockende Perspektive: Gegen eine Beteiligung an der Verwaltungsvergütung wissen die Neulinge ihre Produkte im Sortiment der trendigen Neobroker platziert. Damit erschließen sie sich die jüngere Kundengruppe, stellen ihr Geschäft zukunftsträchtig auf – und sichern sich ein Stück des enormen Wachstums des Marktes.
Versteckte Gebühren
Etablierte ETF-Anbieter wiederum könnten mit eigenen Anteilsklassen für Neobroker reagieren, die höhere Verwaltungsvergütungen aufweisen und damit Retrozessionen umfassen könnten. Damit würden sich die ETF-Größen hier im Spiel halten. Zugleich müssten sie den Preisvorteil und die Skaleneffekte, die ihre bestehenden ETFs erreicht haben, nicht aufgeben.
Solche Bewegungen offenbaren, wie der ETF-Markt an Komplexität gewinnt. Eine zunehmende Komplexität geht jedoch häufig mit einer geringeren Transparenz und höheren Kosten einher. Mit dem Etikett "umsonst" oder "günstig" angepriesene Leistungen bergen dann zusehends versteckte Gebühren und Aufwendungen. Dies mögen manche mit einem Schulterzucken als schlichte Weiterentwicklung des Marktes abtun. Doch womöglich gefährden solche Bestrebungen auch das Erfolgsmodell des ETF.















