Wo Prüfer einmal anfangen herumzustöbern, finden sie meist auch Mängel. So bekamen die Finanzmarktaufseher von sechs Ländern Besuch von der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA. Die Untersuchung förderte zutage, dass unter dem einheitlichen Richtliniendach für UCITS-Fonds durchaus Unterschiede in der nationalen Umsetzungspraxis bestehen.

Diese Differenzen dürften über lange Sicht eingeebnet werden – und das ist richtig. Denn auch wenn die nationalen Besonderheiten oft eher in Detailfragen zu Tage treten: Anleger kaufen UCITS-Fonds im Vertrauen, ein europaweit einheitlich reguliertes Finanzprodukt zu erhalten. Dieses Vertrauen sollte nicht untergraben werden.

Fragwürdige Zusatzeinnahmen für die Anbieter
Die von der ESMA aufgedeckten Unterschiede können nämlich durchaus ins Geld gehen – für die Anleger. So untersuchten die europäischen Aufseher speziell den Umgang mit Mechanismen für ein effizientes Portfoliomanagement. Darunter fallen Praktiken wie die Wertpapierleihe. Und während etwa Großbritannien vorgibt, dass die Erträge gänzlich dem Fondsvermögen und damit den Anlegern zufließen müssen, billigten die Aufseher in Luxemburg und Deutschland den Fondsgesellschaften bislang zu, selbst einen erheblichen Teil oder gar sämtliche Erträge einzustreichen. Zumindest die Bafin reagierte unmittelbar auf die ESMA-Prüfung: Nunmehr darf eine Verwaltungsgesellschaft höchstens ein Drittel der Erträge aus der Wertpapierleihe für sich vereinnahmen.

Frankreich wiederum erlaubt Fondsanbietern und Verwahrstellen nach wie vor, für jede Wertpapiertransaktion eine Prämie einzustreichen. Diese "Commission de Mouvement" hat wohlgemerkt nichts mit den Gebühren für den Broker oder die Börse zu tun: Das Geld wird dem Fondsvermögen einfach zusätzlich abgezogen – zulasten des Anlegers.

Einheitlicher Qualitätsstandard unerlässlich
Zwar sollen die europäischen Vorgaben nur Leitplanken setzen und genug Spielraum für nationale Gepflogenheiten lassen. So unterscheiden sich die Finanzmärkte von Finnland bis Portugal erheblich. Doch die Berechtigung so mancher nationalen Eigenheit darf bezweifelt werden. Darunter fällt sicherlich auch die französische "Commission de Mouvement".

Vor dem Hintergrund, dass UCITS-Fonds auch international ein Erfolgsschlager sind, erscheint ein einheitlicher Qualitätsstandard unerlässlich. Denn ein Investor aus Asien oder Amerika wird kein Verständnis dafür aufbringen, dass ein Luxemburger Fondsanbieter andere Gebühren abziehen darf als ein französisches oder deutsches Pendant.


Welche nationalen Eigenheiten sich europaweit bei UCITS-Fonds noch finden, lesen Sie im neuen Heft 3/2018 im Artikel "Verschlungene Wege" ab Seite 348. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder finden den Beitrag auch hier im E-Magazin.