Laut Duden ist der Kollateralschaden "ein bei einer militärischen Aktion entstehender [schwererer] Schaden, der nicht beabsichtigt ist und nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Ziel der Aktion steht, aber dennoch in Kauf genommen wird". In diesem Sinne lässt sich wohl auch bei Mifid II von Kollateralschäden sprechen. Denn dass zahlreiche Banken die Anlageberatung ­zurückfahren oder ganz aufgeben, war sicherlich nicht im Sinne des Gesetzgebers.

Auch wenn manche Berichte und Umfragen die Lage wahrscheinlich dramatisieren: Es fällt tatsächlich schwer, der EU-Finanzmarktrichtlinie allzu viel Gutes abzugewinnen. Dennoch gibt es auch positive Punkte, darunter ein bislang viel zu wenig beleuchteter Aspekt: Mifid II könnte dazu beitragen, mehr Ruhe in die Depots der Endkunden zu bringen.

Weil die Anlageberatung ein immer mühsameres Unterfangen wird, dürfte sich der Trend hin zu vermögensverwaltenden Mischfonds verstärken, die im besten Fall Jahrzehnte im Depot liegen bleiben. Mittlerweile müssen Bankberater Umschichtungen außerdem begründen. Erlaubt sind sie nur, wenn die Vorteile die Kosten überwiegen. Diese Verpflichtung wird künftig wohl auch für Finanzberater mit Erlaubnis gemäß Paragraf 34f Gewerbeordnung gelten.

Das dauernde Rein und Raus treibt die Transaktionskosten nach oben
Die größere Ruhe in den Depots sorgt im Idealfall auch dafür, dass in den Fonds selbst weniger Handel stattfindet. Wenn die großen Anbieter oder Branchenverbände ihre Zahlen melden, berichten sie immer nur, wie viel Geld sie unterm Strich neu eingeworben haben. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn dieses Nettomittelaufkommen ist das Ergebnis gigantischer Bruttozu- und -abflüsse.

Die Anbieter deutscher Publikumsfonds haben in den vergangenen 25 Jahren brutto im Schnitt fast 134 Milliarden Euro im Jahr eingesammelt, zeigt eine Auswertung von FONDS professionell. Die Abflüsse waren jedoch fast genauso hoch, deshalb stand unterm Strich nur ein Nettomittelzufluss von gut 17 Milliarden Euro (lesen Sie hierzu den ausführlichen Beitrag in FONDS professionell 4/2018 ab Seite 316 oder hier im E-Magazin).

Dieses Hin und Her schadet allen Anlegern, weil es die Transaktionskosten im Sondervermögen nach oben treibt. Mehr Ruhe im Depot sorgt im Idealfall auch für mehr Ruhe im Fonds. Diesen Effekt hat der Gesetzgeber mutmaßlich nicht beabsichtigt, er ist in jedem Fall aber positiv – ein Kollateralnutzen von Mifid II.