Fast elf Jahre hielt die Börsenrally an – bis ein winziges Virus um die Ecke lugte. Der Corona-Crash prügelte alles nach unten, was mit Risiko behaftet scheint: von Aktien über Rohstoffe bis hin zu Anleihen von Unternehmen und aus Schwellenländern. Kein Wunder, dass schnell vom "Lehman-Moment" die Rede war. Wer in den heißesten Tagen Mitte März als Fondsanleger auf der sicheren Seite sein wollte, hatte im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Er setzte auf Staatsanleihen solider Schuldner – oder auf offene Immobilienfonds.

Die Immobilienfonds hatten sich auch in der Lehman-Krise zunächst wacker gehalten. Dann aber wurde ihr Konstruktionsfehler umso drastischer offenbar: Anleger zogen ihr Geld deutlich schneller ab, als die Anbieter die Immobilien versilbern konnten. In der Folge musste ein gutes Dutzend dieser Fonds eingefroren und abgewickelt werden, zum Teil mit hohem Verlust.

Haltefrist gibt Stabilität
Die gute Nachricht: Dieses Szenario dürfte sich nicht wiederholen. Denn als Reaktion auf die Krise bestimmte der Gesetzgeber, dass Anleger ihren Ausstieg zwölf Monate im Voraus ankündigen müssen. Das gibt dem Fondsmanager Zeit, in aller Ruhe Objekte zu veräußern. Gut möglich, dass die Corona-Krise die Fonds dazu zwingt, den Wert einiger Immobilien nach unten zu korrigieren. Die Haltefrist sorgt aber dafür, dass die Manager keine Notverkäufe tätigen müssen. Das ist nicht nur im Sinne der Kleinanleger, sondern stabilisiert auch den Immobilienmarkt.

Manager vieler anderer Publikumsfonds erleben dagegen harte Zeiten, wenn sie einerseits Mittelabflüsse bedienen sollen, andererseits aber merken, dass einige ihrer Wertpapiere deutlich illiquider sind als in guten Zeiten erwartet. Erste Fonds mussten schon schließen, um Notverkäufe zu vermeiden.

Womöglich sorgt der Corona-Crash für ein Umdenken
Bedauerlicherweise kam der Crash gewissermaßen einige Wochen zu früh. Denn künftig haben die deutschen Kapitalverwaltungsgesellschaften die Möglichkeit, auch für ihre Wertpapierpublikumsfonds Rückgabefristen einzuführen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Noch vor kurzem schien es undenkbar, dass die Anbieter die Liquidität ihrer Fonds freiwillig beschränken würden, schließlich ist die tägliche Handelbarkeit ein wichtiges Vermarktungsargument. Doch womöglich sorgt der Corona-Crash für ein Umdenken. Im Sinne des langfristigen Investierens und der Stabilität der Märkte ist es hilfreich, wenn ein Fondsanteil nicht ad hoc abgestoßen werden kann, sondern erst nach einer gewissen Bedenkzeit.