ETFs mit wöchentlicher Ausschüttung: Comeback der Lohntüte
FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch zur Frage, ob es die Investmentbranche mit ihren Innovationen mitunter nicht übertreibt.
Innovation und Fortschritt beschreiben etwas Unterschiedliches, auch wenn die Wörter im Alltag gerne synonym verwendet werden. So darf die Touch-Leiste, über die sich in manchen Autos leider exklusiv die Lautstärke regeln lässt, zwar durchaus als innovativ gelten, ein Fortschritt ist sie aber sicherlich nicht. Der klassische Drehknopf war deutlich funktioneller. Nicht nur das: Der Touch-Screen erhöht sogar das Unfallrisiko. So wird aus Innovation Rückschritt.
Und damit zur ETF-Branche, die zwar noch nicht bei der Touch-Leiste angekommen ist, sich aber zielstrebig auf den Weg dorthin begeben hat. Die jüngste Innovation: Europas erster ETF mit wöchentlicher (!) Ausschüttung.
Neu und daher innovativ – aber fortschrittlich?
Zur Auflage des Weekly World Income UCITS ETF schreiben der Initiator Aura ETFs und der White-Label-Dienstleister Han-ETF: "Gerade für Anleger, die ihr Portfolio stärker auf regelmäßige Ausschüttungen ausrichten möchten, kann ein wöchentlicher Rhythmus zusätzliche Flexibilität bei der Nutzung der Erträge bieten." Das ist sicherlich neu und daher per Definition innovativ. Einen echten Fortschritt bedeutet es aber nicht.
Der neue Fonds (dem übrigens weitere "Weekly-ETFs" folgen sollen) passt auf den ersten Blick zu einem Trend, für den es eine echte Nachfrage gibt: Anteilsklassen mit monatlicher Ausschüttung. Zahlreiche Asset Manager haben nämlich erkannt, dass ein relevanter Teil ihrer Zielgruppe mittlerweile im Ruhestand ist und es daher zu schätzen weiß, wenn das Depot in schöner Regelmäßigkeit ein Zusatzeinkommen abwirft. Allianz Global Investors feiert mit entsprechenden Anteilsklassen, "Plan 12" genannt, beachtliche Absatzerfolge, andere Anbieter ziehen nach. Aber wer braucht wöchentliche Ausschüttungen?
Begrenzter Bedarf
Manch einer fühlt sich da an die Empfehlung erinnert, kleinen Kindern das Taschengeld doch bitte wöchentlich auszuzahlen, auf dass sie den Umgang damit lernen. Oder an die Lohntüte, in der bis in die 1960er Jahre hinein jeden Freitag das Salär für die Woche ausbezahlt wurde – im Klischee verbunden mit dem Vorteil, dass der Vater in der Kneipe so zumindest nicht den gesamten Monatslohn auf einmal versaufen und verzocken konnte.
Der echte Bedarf an ETFs mit wöchentlicher Ausschüttung dürfte jedenfalls begrenzt sein. Das gilt immerhin auch für den potenziellen Schaden. Anders als bei der Touch-Leiste im Auto.













