Die Ergebnisse sind ernüchternd, wenn nicht erschreckend: Mehr als 80 Prozent der Mitarbeiter in Volks- und Raiffeisenbanken empfinden das Gehaltsgefüge in ihrem Institut als ungerecht. Genauso viele fühlen sich bei der Arbeit gehetzt. Jeder zweite muss häufig Abstriche bei der Qualität seiner Arbeit machen, um sein Pensum zu schaffen. Nur jeder dritte kann regelmäßig eigene Ideen in seine Arbeit einbringen. Und fast 30 Prozent der Befragten würden den Job wechseln, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

Diese Ergebnisse stammen aus einer Studie, die Arbeitssoziologen der Universität Jena im Auftrag der Gewerkschaft Verdi verfasst haben (FONDS professionell ONLINE berichtete). Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Untersuchung die Realität zumindest an einigen Stellen überzeichnet, denn bei solchen Umfragen nehmen naturgemäß eher die Unzufriedenen teil. Auf der anderen Seite spricht allein die hohe Zahl von mehr als 3.300 Befragten für eine gewisse Repräsentativität. Und die Situation in anderen Filialbanken sei keinesfalls besser, versichert Verdi.

Drei Trends bringen das alte Geschäftsmodell zeitgleich ins Wanken
Früher galt der Ausbildungsplatz in der Bank vor Ort bei Schulabgängern als Sechser im Lotto: Gutes Gehalt, feste Arbeitszeiten, ein abwechslungsreiches Aufgabenspektrum und eine entspannte Atmosphäre. Heute klagen Kundenberater und Sachbearbeiter über schlechte Bezahlung, Überstunden, fehlende Freiheiten und interne Konkurrenz statt Miteinander. Wie konnte es so weit kommen?

Schuld daran sind vor allem drei Trends, die das alte Geschäftsmodell zeitgleich ins Wanken bringen: Die Niedrigzinsphase bringt die Margen unter Druck, die Regulierung setzt die Leitplanken im Alltag immer enger, und die Digitalisierung spült neue Mitbewerber auf den Markt, die ohne Altlasten viel agiler auftreten können.

Die Mitarbeiter sind das Aushängeschild einer Bank
Doch die Antwort vieler Banken auf diese Herausforderung ist oft falsch: Sie setzen immer neue, ehrgeizigere Vertriebsziele – am eigentlichen Bedarf der Kunden vorbei. Und im Bemühen, teure Fehler zu vermeiden, degradieren sie ihre Berater zu Klick-Sklaven, die stur einer Software folgen müssen, statt individuell auf ihre Klienten einzugehen. Das merkt früher oder später auch der Kunde: Ein Berater, der keinen Entscheidungsspielraum hat, bringt ihm keinen Mehrwert. Dann kann er sich auch gleich vom Computer beraten lassen.

Ein solches Geschäftsmodell kann keine große Zukunft haben. Die Mitarbeiter sind das Aushängeschild einer Bank. Wer sie gängelt und frustriert, darf sich nicht wundern, wenn die Kunden fernbleiben. Die Institute müssen endlich beginnen, über neue Konzepte nachzudenken. Dass es hier keine einfachen Lösungen gibt, liegt auf der Hand. Fintechs Paroli zu bieten, die mit preiswerten, massentauglichen IT-Lösungen locken, indem man Beratung bietet, die diesen Namen verdient, ist eine große Herausforderung. Allerdings wird in den Chefetagen der Institute gut bezahlt. In diesen Tagen muss man sich dieses Gehalt vielleicht mehr als bisher auch verdienen.


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