Die Richter am Frankfurter Landgericht müssen sich in naher Zukunft mit einer Frage beschäftigen, die ihnen in ihrem Berufsleben mutmaßlich noch nicht untergekommen war: Ist es in Ordnung, Anlegern vorzurechnen, dass durch ihre Investition von 10.000 Euro in einen bestimmten Aktienfonds 42.837 Liter Wasser aufbereitet, 6,71 Tonnen Abfall vermieden und 575 Kilogramm Kohlendioxid eingespart werden können?

Diese Zahlen wirft der "Impact-Rechner" der Deka aus, mit dem das Wertpapierhaus der deutschen Sparkassen für ihren Fonds Deka-Nachhaltigkeit Impact Aktien wirbt. Der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geht das zu weit. Sie stößt sich an der Scheingenauigkeit und daran, dass nur im Kleingedruckten auf den Beispielcharakter und die Methode hinter der Rechnung hingewiesen wird. Eine Unterlassungserklärung wollte die Deka nicht unterzeichnen, darum liegt der Fall nun beim Landgericht Frankfurt (FONDS professionell ONLINE berichtete). Der Prozess dürfte branchenweit auf Interesse stoßen, schließlich ist die Deka bei weitem nicht der einzige Anbieter, der nach diesem Muster für seine Impact-Fonds wirbt.

Der Hebel der Investoren liegt woanders
Das eigentliche Problem wurzelt tiefer: In Wahrheit werden durch die Investition des Anlegers nämlich genau null Kilogramm Abfall oder Kohlendioxid eingespart. Schließlich kauft der Fondsmanager für dieses Geld keine neuen Recyclinganlagen oder Windräder, sondern lediglich über die Börse Aktien von Unternehmen, die in solchen Geschäftsfeldern aktiv sind. Frisches Geld fließt diesen Firmen auf diesem Weg nicht zu – das wäre erst bei einer Kapitalerhöhung oder einer Anleiheemission der Fall.

Dennoch wäre es falsch, den Effekt von Impact-Fonds kleinzureden. Der ESG-Boom zwingt Unternehmen dazu, nachhaltiger zu wirtschaften, um für Investoren interessant zu bleiben. Hier liegt der eigentliche Hebel, den die Anleger in der Hand haben. Verheerend dagegen wäre es, wenn ein Bankkunde munter weiter mit dem Auto statt mit dem Fahrrad fährt, weil er sich einbildet, das Klima mit dem Kauf eines Aktienfonds bereits genügend geschont zu haben.

Ehrlich und aufrichtig kommunizieren
Darum muss die Asset-Management-Branche schleunigst einen Weg finden, wie sich die Effekte des nachhaltigen Investierens ehrlich und aufrichtig kommunizieren lassen. Das hat sie bislang augenscheinlich versäumt – und das ist der eigentliche Grund, weshalb sich jetzt die Frankfurter Richter in dieses für sie völlig neue Thema einarbeiten müssen.