Die Generali Deutschland möchte ihre Lebensversicherungstochter in den Run-off schicken. Die Abwicklungsplattform Viridium soll knapp 90 Prozent an der Generali Leben übernehmen, der Versicherer mit italienischer Mutter behält den Rest (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Entsprechende Pläne hegte die Generali schon länger. Es gab allerdings einen Aufschrei bei Kunden, Verbraucherschützern, Politikern und anderen Versicherungsunternehmen, der ein Grund dafür gewesen sein dürfte, warum sich das Vorhaben verzögerte. Auch jetzt dürfte wieder ein Sturm der Entrüstung losbrechen. Ein Boulevard-Blatt titelte schon: "Schock-Nachricht für Millionen Versicherte!"

Pro und Kontra
Doch solche Schlagzeilen sind übertrieben. Kunden, Verbraucherschützer und Politiker fürchten, dass die Versicherten nach einer Übertragung der Policen schlechter gestellt werden, etwa weil die Run-off-Gesellschaft die Überschüsse für die Kunden auf das gesetzlich vorgeschriebene Minimum senken könnte. Weil der Abwickler keine neuen Kunden werben muss, hat er keinen Anreiz, die bestehenden besonders gut zu behandeln, so das Argument.

Die Befürworter dagegen kontern, dass die Run-off-Spezialisten durch eine bessere IT und den Wegfall des teuren Vertriebs Kosten einsparen können, was wiederum dem Kunden zugutekomme. (Einen ausführlichen Bericht zu den Vor- und Nachteilen eines externen Run-offs finden Sie hier.)

Versicherer haben sich verhoben
Selbstverständlich gibt es gute Gründe, warum sich ein Kunde wohler fühlt, wenn ein Versicherer, der das Lebengeschäft aufgeben möchte, die Policen selbst bis zum Ende fortführt, den Run-off also intern vorantreibt. Das gilt zumindest dann, wenn der Anbieter in anderen Sparten aktiv bleibt. Denn dann hat der Konzern ein großes Interesse daran, negative Schlagzeilen über seine Gesellschaft zu vermeiden – und geht auch mit seinen Altkunden und deren Lebenspolicen pfleglich um.

Das ist allerdings keine Garantie dafür, dass die Kunden beim alten Versicherer besser fahren als beim Abwickler. Er gibt das Geschäft mit der Lebensversicherung ja nicht grundlos auf, sondern nur, weil ihn die einst gegebenen Garantien zu teuer geworden sind. Sprich: Der Versicherer hat sich verhoben.

Versprechen gebrochen
Die Übertragung der Policen auf eine externe Run-off-Plattform macht auch nach außen hin deutlich, dass sich der Anbieter verspekuliert hat: Das Versprechen, seinen Kunden als lebenslanger Partner zur Seite zu stehen, kann er nicht halten. Der Schritt der Generali wirft deshalb einen Schatten auf die gesamte Branche – inklusive der Generali-Vermittler, die nun viel Arbeit damit haben werden, ihren Kunden das Vorhaben zu erklären.

Unter dem Strich sind die Pläne der Generali also kein Skandal. Aber sie sorgen für einen gewaltigen Imageschaden.